25 01

When The Lights Go Out

In einigen vielen Jahrzehnten bis wenigen Jahrhunderten wird man in den Geschichtsbüchern jener Zeit von einem Land berichten, welches von Deutschen bewohnt wurde oder vielleicht sogar noch wird und man wir lesen können, wie es sich zugetragen hat, in jener vergangenen Zeit – zu jener Zeit als der Staat sein Volk in die Irre und nicht aus dieser heraus führte. Die Sackgasse dieses Volkes war flankiert von verlorenen Träumen und Hoffnungen derer, die bereits vor dem Erreichen des Endes auf der Strecke geblieben sind.

Man wird von einer gesamtgesellschaftlichen aber grundsätzlich stillschweigenden mehrheitlichen Zustimmung der Bevölkerung der Regierungsform und deren Ausgestaltung gegenüber sprechen. Auch wenn das Volk Grund zur Kritik und Auflehnung zu Genüge hätte, denn die regierenden politischen wie wirtschaftlichen Schichten sorgten dafür, dass eine an vielen Stellen nicht nur imaginäre Mauer zwischen denen errichtet wurde, die das – im wahrsten Sinne des Wortes – arbeitende Volk von den regierenden Gruppierungen trennte.

Die Durchlässigkeit dieser Mauer wurde von Jahr zu Jahr zäher und ein Durchdringen schwieriger und wenn überhaupt dann nur durch die Übernahme der regierenden Doktrin möglich. Erst wenn man sich anpasste, konnte man auch Vorteile für sich und seine Familie ergattern.

Denn das staatlich organisierte Bildungswesen und die regelmäßig angepassten regulierenden Rahmenbedingungen des gesellschaftlichen Miteinanders, einhergehend mit der nicht nur inneren Abschottung anderen Formen des Zusammenlebens gegenüber, immer am regierenden parteibezogenen Doktrin und seinen wirtschaftlichen Auswüchsen angelehnt, sorgte dafür, dass die gesellschaftliche Entzweiung immer größer werdender Bevölkerungsgruppen nicht nur nicht unterbunden sondern sogar gefördert wurde, wenn nicht sogar gewollt war.

Der Staat baute sogar Instrumentarien auf,die dafür sorgen sollten, dass gesellschaftliche Bestrebungen, die der regierenden Doktrin zuwiderliefen, im Keim erstickt wurden. Erst wurden jene Bestrebungen bzw. die dazugehörigen Gruppen und Personen beobachtet, später überwacht. Begründet wurde dies immer mit dem Verweis auf die Grundsicherung der gesellschaftlichen Ordnung und des Staates an sich, verschwiegen wurde gern, dass man damit eigentlich nur sich selber meinte – der eigene Machterhalt war wichtiger geworden, als die Förderung des allgemeinen und gerecht verteilten Wohlstandes. Und diese Rechnung ging auf, da immer noch die Mehrheit den Eindruck hatte, das es Anderen noch schlechter ging.

Dies ging sogar so weit, dass sich die regierenden Gruppierungen und die mit ihnen verbundenen wirtschaftlich gut gestellten Schichten irgendwann sogar ganz offensichtlich am Staatseigentum und seinen Errungenschaften bedienten – ohne Scham oder Unrechtsbewusstsein.

Das Ende der Sackgasse war bereits zu jener Zeit ersichtlich – doch die Masse blickte nur zurück!

Zurück in der Gegenwart und ein abschließender Gedanke. Es liegt an uns und unserer Generation, ob die zukünftigen Geschichtsbücher mit jenen Rückblicken das Ende der DDR beschreiben oder das Ende unserer Gesellschaft, so wie wir sie kennen. Noch ist das Ende der Sackgasse nicht erreicht, wenn uns auch nicht mehr allzu viele Seitenstraßen und somit Handlungsalternativen offen stehen.

Wobei man natürlich sagen muss, dass sich die Bevölkerung der DDR selbst befreit hat von der regierenden Doktrin. Aber ob uns das bei all der Globalisierung und Neoliberalisierung Europas und der Welt noch einmal gelingen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Also – was wollen wir?

Lars // Unter: Zeit(en)geschehen // //

23 01

Radio Nowhere

Das wohl menschenunwürdigste Verhalten dürfte der Mord an einen Menschen darstellen. Nimmt man jetzt einmal den Fall der echten Selbstverteidigung als grds. nachvollziehbare Ausnahme aus der Betrachtung heraus – hier würde ich auch eher von Tötung sprechen – so kann man als Individuum nicht weiter in der eigenen Selbstwahrnehmung sinken. Von daher sollte aus gesellschaftlicher Sicht immer auch oder gar insbesondere das Warum im Mittelpunkt der Aufklärung stehen. Das dem nicht immer so ist, dürfte auf der Hand liegen.

Nicht nur bei den eher seichten Zeitgenossen der Deutschen Journaille sondern auch bei den sogenannten Qualitätsmedien spielt leider sehr oft nur das Wie und das Wo eine Rolle, wenn es um die Berichterstattung bei derartigen Tragödien geht. Neben dem Wie geht es in der Berichterstattung zudem eher um die möglichst genaue Nachzeichnung des Lebens des Täters im Bezug auf die Tat. Wenn für die Auflage noch interessant, wird der gleiche Fleiß auch auf die Nachzeichnung des Lebens des Opfers verwandt. Erst recht, wenn es sich um Familienmitglieder handelt. Ein wenig Eigenrecherche im eher freien Sinne einer unparteilichen Aufklärung und schon dürfte sich erst recht in jenem Umfeld die ein oder andere Geschichte finden lassen, die der ganzen Tragödie noch ein wenig pepp geben könnte.

Schnell ist die Journaille auch bei der Erfindung von markigen Bezeichnungen der Täter, am besten sollte in diesem Wort die Tat an sich und der Charakter des Täters vereint sein. Dann ist der Zeitungsmann zufrieden und der Zeitungsleser informiert.

Über die wahren Hintergründe erfährt man zumeist eher selten und wenn, dann oft erst viel viel später. Nicht weil die Journalisten an diese Informationen erst nach mehrmonatiger Recherche kämen. Nein. Man hat den Eindruck, dass diese Informationen nicht so recht zum Selbstverständnis der eigenen Nachrichten gegenüber passen.

Und schon gar nicht zur scheinbar en vogue gewordenen Art und Weise der Berichterstattung hierzulande, wenn es um Tragödien mörderischen Ausmaßes geht.

Diese und weitere Gedanken hatte ich heute Morgen, als ich auf Antenne Bayern den ersten beiden Teilen des exklusiven Interviews von Antenne Bayern (Wolfgang Leikermoser) mit dem Mörder Mathias Illigen lauschte. Wobei nun der Eindruck entstehen könnte, dass dieses Interview im Stile der beschriebenen Berichterstattung stattfand. Das wäre aber ein falscher Eindruck. Von dem, was man zu hören bekam, könnte man sogar annehmen, dass das Interview in einem sehr sachlichen Stile geführt wurde, denn es ging nicht um die Tat an sich sondern um das Warum und die genaueren Hintergründe.

Von daher könnte man grundsätzlich von einem gelungen Stück journalistischer Berichterstattung sprechen, auch wenn der Zeitpunkt des Interviews und die aktuelle Veröffentlichung von Illigens Buch vielleicht für den ein oder anderen ein gewisses Geschmäckle haben könnte. Aber auch dann könnte man immer noch die abscheuliche Art und Weise der sonstigen Berichterstattung führen. Die alten Artikel wären leicht wiederherstellbar. Was so nicht geschah.

Was mich dann aber doch wieder gestört hat, war die Art und Weise der Aufbereitung des Interviews für das Radio. Ich will nicht gleich behaupten, dass dies im Stile von RTL und Co geschah, aber fokussiert eingesetzte thematisch passende Musik und der Unterton des Offsprechers (Leikermoser) sorgten dann doch für leichtes Unbehagen bei mir.

Vielleicht muss man heute seine Radiobeiträge in dieser Art aufbereiten, damit der Hörer neben all den Späßchen und senderspezifischen Features in die Stimmung versetzt werden kann, diesen Beiträgen folgen zu können. Ansonsten ist der Hörer ja eher an kurze Anmoderationen und Beiträge gewöhnt. Der Standardhörer dürfte bei den Nachrichten kurz unter die Dusche huschen oder zum Auto stürmen, damit man vielleicht noch rechtzeitig erfährt, ob Antenne Bayern die eigene Rechnung bezahlt. Dafür sind längere Beiträge prima geeignet.

Längere Beiträge dürften die Aufnahmebereitschaft der Radiohörer stark strapazieren. Von daher ist es wiederum Antenne Bayern positiv anzurechnen, dieses Thema bereits schon in der morgendlichen Show auszustrahlen und nicht erst am Nachmittag.

Natürlich wird die bestimmt vorangegangene senderinterne Überlegung stark durch den Interviewer selbst gelenkt gewesen sein (Leikermoser sendet morgens) und zum Anderen will man ja entsprechend viele Hörer erreichen. Und morgens – neben abends – dürfte der weitaus größere Teil der Antenne Bayern Hörer vor dem Radio sitzen als im Laufe des Tages.

Aber dennoch bleibt festzuhalten, in der Sache sachlich aber in der Präsentation unwürdig der eigenen Sache gegenüber. Schade.

Lars // Unter: Zeit(en)geschehen // //

16 01

Blinded By The Light

Die Betrachtung der Schlagzeilen der letzten Tage lässt einem zum Schluss kommen, dass die Causa Wulff so langsam an Dynamik verliert. Es poppen zwar immer noch „neue“ Beschuldigungen gegenüber der Person Wulff auf, aber der große Hype scheint vorbei und das Hauptaugenmerk wandert langsam weiter. Eine persönliche aber inhaltliche nicht vollständige und abschließende Schlussbetrachtung. In der Sache aber schon.

Wenn man in seinem Leben nur „seriöse“ Medien nutzt und sich abseits der Wege, die durch das Boulevard bevölkert werden, durchs mediale Leben schlängelt, dem dürfte die Causa Wulff ansatzweise irritiert haben. Da wird ein nicht weiter auffälliger Landespolitiker zum Bundespräsidenten gewählt, dann passiert lange nichts, dann hört man Versatzstücke aus seiner Rede anlässlich der Thematik Islam und Deutschland, dann hört man wieder lange nichts, noch länger .. und schließlich wird die friedliche Stille um diese Person jäh zerborsten durch die Anschuldigungen seitens der bekannten Boulevardmaskerade und seiner Vasallen. Es kam wie es kam und nun kommt etwas anderes.

Wenn man stattdessen auch die Boulevardmedien verfolgt, dem wird die Causa Wulff erst recht irritiert haben, vielleicht sogar verunsichert, mindestens aber persönlich getroffen. Denn die Person Wulff war durch die Behandlung in jenen Medien allgegenwärtig als Schwiegermuttersliebling verkauft worden. Kaum ein Politiker kann wohl einen derart dicken Ordner voll mit Lobpreisungen und wohlwollenden Artikeln vorweisen, wie unser Bundespräsident. Kein bis kaum ein Wort der Schärfe im Bezug auf seine politische Laufbahn und seine Politik als Ministerpräsident. Christian Wulff wurde oft als gutes Beispiel, ja sogar als Saubermann der Politik, herangezogen. Schaut doch, es gibt sie noch, die Politiker, die nicht nur an sich denken. Der Deutsche Boulevardmichel glaubte jene Artikel ohne Nachfragen oder gar Nachdenken. Ja und nun kam jene Pressekehrtwende und das Bild, was sich der Boulevardmichel über Christian Wulff gemacht hatte, fiel in sich zusammen. Man kann es niemanden verwehren, wenn er das Gefühl des inneren Verrats verspürte, als er die ersten Anschuldigungen vernahm.

Mitleid sollte man mit beiden – dem Boulevardmichel und dem Bundespräsidenten – aber nicht haben. Der eigentliche Verlierer bei dieser Causa ist mal wieder und wohl endgültig die Deutsche Presselandschaft und die Gesellschaft an sich. Jeder noch so kleinen Meldung wurde seitens der Presse nachgegangen, es wurde recherchiert und dann stolz veröffentlicht. Und die Bevölkerung nahm es dankend an und las. Nicht nur der Boulevard sonnte sich im Lichte der eigenen Erkenntnisse und seiner Auflagenzahlen. Auch die seriösen Medien dürften einen Ansprung in der individuellen Wahrnehmung verzeichnet haben.

Und so dürfte sich das auch noch eine Zeitlang hinziehen.

In der eher kritischen Betrachtung kann man lesen, dass es die Deutschen Medien mal wieder prima hinbekommen haben, ein Thema derart vollumfänglich auszuschlachten, so dass in der Zwischenzeit viel wichtigere Weichenstellungen fast unbemerkt von statten gehen konnten. Stichwort Fiskalunion. Dieses Gefühl wird oft von der kritischen Seite angebracht. In Zeiten des gesellschaftlichen Aufruhrs und der medialen Hatz nach Fakten, Fakten, Fakten – nutzt die Politik die Gunst der Stunde zum eigenen Vorteil.

Dafür ließen sich bestimmt sehr einfach ein paar weitere Beispiele finden. Und auch mein Ärger ist groß, dass diese Themen nur am Rande vorkommen oder in einer Art behandelt werden, wie es naiver nicht geht.

Aber woran könnte das liegen?

Das die Deutsche Presselandschaft aufklärerisch arbeiten kann, hat sie einmal mehr bewiesen, wenn auch bei einem vergleichsweise eher unwichtigen Thema wie der Causa Wulff. Nur hat man den langjährigen Eindruck, dass sie ihre Fähigkeiten immer nur bei eher dieser Art von Themen einsetzt.

Viele Kommentatoren vertreten die Meinung, dass dies mit Absicht geschieht und basteln an Theorien wie der Lenkung durch die Politik oder dem grds. Missverständnis der augenblicklichen Gesamtsituation gegenüber.

Meiner Meinung nach ist das Grundübel noch viel schlimmer. Auflagenorientiertes Desinteresse an politischer Aufklärung.

Auch die großen Medienhäuser und Verlage laufen in großen Teilen nur noch der gesamtgesellschaftlichen Meinung hinterher und versuchen sich an diesem Zuckerguss zu laben anstatt selber eine Meinung zu setzen und über Hintergründe politischer und wirtschaftlicher Vorgänge und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu berichten. Was in der Gesellschaft brodelt, wird aufgesogen und in eigenen Artikeln widergekäut und in mehrfachen Wiederholungen verwurstet. Auf die Idee, durch eigene Arbeit und Meinungssetzung selbst für ein Brodeln zu sorgen, kommen wohl die wenigsten Verlage. Denn die Aussicht darauf, dass die Mehrheit der Gesellschaft sich hierfür interessiert, ist nachweislich eher gering. Woher soll der Deutsche Michl auch wirtschaftlich-gesellschaftliche Zusammenhänge verstehen, wenn er ansonsten von jener Denke verschont bleibt.

Man könnte zu einem abschließenden Teilurteil kommen, dass sich die Verlage und Medienhäuser von dem aktuell in der Gesellschaft vorherrschenden scheinbaren Interesse blenden lassen und somit den Blickauf das Wesentliche verlieren.

So könnte man den bekannten Spruch von dem Volke und seinen Führern auch auf die Presselandschaft ummünzen: das Volk hat die Pressearbeit, die es verdient. Und versteht. Das Volk wie auch die Schreibenden selbst. Zusammengestrichene Redaktionen, der Druck der Auflage und dem getriebenen, joberhaltenen eigenem Interesse am Kurzweiligen. Gepaart mit der „Erwartung“ der breiten Gesellschaftsschicht.

In dieser Umwelt kann wohl kaum ein Pflänzchen der Aufklärung gedeihen. Leider. Aber leidig selbstverschuldet.

Aber die Gesellschaft will es  scheinbar nicht anders.

Lars // Unter: Zeit(en)geschehen // //

09 01

No Surrender

Das man dies noch einmal (erstmalig ??) erleben darf, die BILD Zeitung zugleich als selbstbetitelter und nachgeplapperter Hort des ehrwürdigen Streitens um die journalistische Daseinsberechtigung und zudem Schützer der Presse- und Meinungsfreiheit. Ein Satz, der nicht nur wirr klingt sondern auch für sich selbst steht. Wirr! Es sind wirre Zeiten in Deutschland.

Ob man nun Christian Wulff alleinverantwortlich für diese Zwischenposse und -hoch im hoffentlich baldigen endgültigen Dahinsiechen der BILD Zeitung machen kann, sei mal dahingestellt, aber durch seine naive und bestimmt auch durch seine auf bisherige Erfahrungen mit den ihm zugeneigten Medien basierende Verhaltungsweise, hat er maßgeblichen Anteil daran, dass sich die BILD Zeitung aktuell in einem Lichte sonnen darf, welches ihr nicht gebührt.

Das sich die BILD Zeitung wahrscheinlich schon immer in diesem Lichte wähnte, wird wohl niemanden ernsthaft irritieren, aber nun schimmert auch kurzzeitig dieses Licht durch das Dickicht der „seriösen“ Zeitungen, die teilweise sogar mit ihr koalieren. Wenn man sich schon nicht über die Causa Wulff aufregen mag, so sollte man dies jetzt im Bezug auf die BILD Zeitung unbedingt nachholen.

Die BILD Zeitung findet offenkundig die Rolle ihres Lebens und das Publikum auf den billigen als auch in den teuren Logen spendet Beifall. Aber Aufgemerkt! Das sind nicht die Bretter, auf denen man sein eigenes Theaterhaus aufbauen sollte! Die vordergründig und dem Grunde nach natürlich ehrwürdige Aufklärungsarbeit rund um die Person Christian Wulff überdeckt nur die altbekannten Verhaltensweisen dieser Ansammlung von bedruckten Seiten, die zur Auslage von Katzentoiletten und Vogelkäfigen –deren Bewohner des Lesens überdrüssig sind -gerade noch Verwendung finden sollte. Nichts hat sich an deren Grundeinstellung zur journalistischen Arbeit geändert und nichts deutet daraufhin, dass sich in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Es werden weiterhin Informationen zurückgehalten und teilweise im eigenem Sinne konspirativ weiterverteilt, um so einen gewisse Meinungshoheit zu erreichen bzw. diese nach eigenem Gutdünken zu steuern.

Wem dies nicht reicht, der solle bitte zusätzlich die anderen Seiten und Themen dieses täglichen Elaborats zur Kenntnis nehmen, dann dürfte es einem nicht schwer fallen, wahrzunehmen, dass sich die BILD Zeitung ansonsten weiterhin völlig offen und transparent zu ihrem eigenem Verständnis journalistischer Arbeit bekennt.

Vergessen ist eine absolut menschliche wie auch nützliche Leistung unseres Gehirns, die gar nicht hoch genug geschätzt werden sollte. Dass sich unsere Gesellschaft dieser Funktionalität scheinbar immer nur dann bedient, wenn es sich um Verfehlungen, gebrochene Versprechen oder anderweitige Entgleisungen der politischen und wirtschaftlichen „Gesellschaft“ dreht, scheint Programm und ist dadurch umso ärgerlicher.

In diesem Falle setze ich aber auf diese automatische nach einer gewissen Zeit einsetzende Vergesslichkeit, dass sich auch ja niemand positiv an diese Tage in einigen Monaten erinnern wird – im Bezug auf die selbstbeweihräucherte Glanzleistung journalistischer Arbeit der BILD Zeitung – auch wenn ich davon ausgehe, dass sich die BILD Zeitung in gewissen Abständen selber erinnern wird, damit es zumindest die billigen Plätze nicht vergessen.

Wahrscheinlich wird sich die BILD Zeitung oder eine der ihr nahestehenden Institutionen und Stiftungen sogar selbst am Ende des Jahres eine Auszeichnung für außerordentliche journalistische Arbeit verleihen, diese sollte man aber ebenso wenig ernst nehmen und wahrnehmen, wie das Erzeugnis selbst.

Daran sollte sich auch nach dieser Episode – oder gerade deswegen – nichts ändern.

Lars // Unter: Zeit(en)geschehen // //

02 01

A Good Man Is Hard To Find (Pittsburg)

Wenn man sich einmal die lange Reihe an verdienten und hoch geschätzten Bundespräsidenten anschaut, dann wird man mit trauriger Erkenntnis feststellen müssen, dass wir uns spätestens mit Herrn Wulff weit weg vom Ideal des Staatsoberhauptes entfernt haben. Aber woher nehmen wir einen Neuen? Die Antwort darauf kann eigentlich nur im außerparlamentarischen Bereich zu sehen sein.

Man kann zu Herrn Wulff stehen wie man will, man kann den neuesten Behauptungen und „Wahrheiten“ Glauben schenken oder auch nicht, aber was sich klar am Deutschen Staatshorizont abzeichnet ist eine Glaubenskrise der Politik und in seiner Vertreter. Während man „de jure“ noch aktive Beihilfe zur Wahl/Wiederwahl/Abwahl mancher Politiker leisten kann – Herr Mappus wird ein Klagelied davon singen können – so steht uns diese Möglichkeit beim Bundespräsidenten nicht zur Verfügung. Aus historischen und grds. nachvollziehbaren Gründen. Wenn auch die heutige politische Macht des Bundespräsidenten in engen Bahnen verläuft.

Seine Macht und sein zu vertretendes Ideal, manche sprechen von einer Vorbildfunktion, liegt daher eher im ethisch-moralischen Bezug zur Tagespolitik als in dieser selben. Das „gute Gewissen“ des Landes hat für viele Menschen zwar einen wechselnden Namen aber eine gleichbleibende Amtsbezeichnung: Bundespräsident.

Und diesem Ideal kommen unsere Politiker und unser Bundespräsident, aus dessen Reihen diese meistens stammen, seit geraumer Zeit nur noch in Teilen nach. Und während Herr Wulff seinen medialen Umgang mit seinen Krediten als nicht akzeptabel bezeichnet und nicht die Kredite an sich, so könnte man vice versa die Aussage verbreiten, dass nicht Herr Wulff das grds. Problem ist sondern die Auswahl des Bundespräsidenten. In beiden Betrachtungsweisen ist wohl die Wahrheit zu suchen.

Herr Wulff scheint in der Nachbetrachtung ein mittelprächtiger Politiker und Ministerpräsident gewesen zu sein, im vorweggenommenem Resumee seiner Amtszeit als Bundespräsident muss man dieses Prädikat wohl noch nach unten korrigieren. Ist dies im persönlichen Umfeld des Bundespräsidenten begründet oder handelt es sich bei Herrn Wulff nur um die Spitze des Eisberges, auf dem der Dampfer Deutschland zusteuert?

Ich denke letzteres. Wer sich die handelnden Personen der letzten zehn Jahre deutscher Politik vor Augen führt, den kann es nicht wundern, wenn ein Bundespräsident mit den bekannten Schlagzeilen von der Seite 1 der meisten Medien grüßt und wohl eher dieses Bild in Erinnerung bleiben wird als Menetekel einer hoffentlich nicht eintretenden Zeit der nationalen politischen Wirren.

Die aktuelle Riege der Deutschen Politik überzeugt eher durch individuelle und politische Verfehlungen und Defizite als durch bestimmtes und angemessenes Auftreten und politisches Handeln. Woher sollte also auch ein würdiger Bundespräsident kommen, wenn die Auswahl eben die ist, die sie ist bzw. war. Der Fachkräftemangel scheint überall. Während sich auf dem Arbeitsmarkt noch über diesen leicht streiten ließe, so dürfte einem dies im Bezug auf die Politik schwerer fallen.

Ich will gar nicht das machtpolitische Spiel der Parteien ins selbige bringen, aber die Wahl des Bundespräsidenten ist schon länger zu einer in sich geschlossenen Parteiveranstaltung geworden. Außerparlamentarische Kandidaten werden eher als Strohmann/frau ins Spiel gebracht, wenn die Stimmenverteilung schon vorher klar scheint und man zumindest den Schein wahren will, als hätte man eine wirkliche Alternative zum Aufgebot der großen Parteien oder gar einen alternativen politischen (Denk-)Ansatz.

Aber dieser alternative politische Denkansatz sollte meines Erachtens nicht nur ein Mittel zum erfolglosen Zweck sein sondern die Richtung in den kommenden Jahren vorgeben. Nicht nur im Bezug auf die Auswahl des Bundespräsidenten.

Aus meiner Sicht müssten daher die kommenden Bundespräsidenten sämtlichst im außerparlamentarischen eher kulturell-gesellschaftlichen Bereich zu suchen sein, um mögliche politische Interessen Einzelner oder einzelner Parteien von vornherein auszublenden bzw. den Mief des „politischen Klüngels“ in welcher Art auch immer zu vertreiben.

Sollte dies nicht geschehen, könnte sich dies verheerend auf die Akzeptanz der demokratischen Idee innerhalb der Gesellschaft zum Einen und auf das Image Deutschlands international zum Anderen auswirken. Ich will damit gar nicht auf sich radikalisierende Strömungen verweisen, aus meiner Sicht wäre bereits der erste Schritt, nämlich die innere Abkehr von der gelebten und mitgestalteten Demokratie, das größere Übel.

Gleichgültigkeit ist der größte Feind der gesellschaftlichen Entwicklung!

Lars // Unter: Zeit(en)geschehen // //

21 12

2012

… gehts weiter!

In echt. Und in Farbe.

Tobias

Lars // Unter: blog // //