02 09
Buchtipp

Die Buchempfehlung des auslaufenden Sommers. Liest sich überall und wunderbar. Wie eine warme Sommerbriese auf der Haut. Es fehlt eigentlich nur der Cocktail in der Hand. Zum bestellen einfach den Link im Bild anklicken.
Ich wünsche ein frohes Lesevergnügen!
Tragödie letzter Teil: Die schonungslose Aufklärung!
Der für lange Zeit wohl bekannteste Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, wird heute vor den Innenausschuss des NRW Landtages treten und vor allem eines versuchen: sich zu rechtfertigen. Die Fragestunde vor den Parlamentariern ist ein weiterer kläglicher Versuch, der Tragödie um die 21 Opfer der Loveparade in Duisburg aufzuklären. Auch die Parlamentarier wollen sich rein waschen vom Vorwurf, sie hätten zu wenig getan. Zumindest im Nachhinein. „Seht her, wir bemühen uns um eine brutalstmögliche Aufklärung!“ scheint es aus dem NRW Landtag in die weite Welt zu rufen. Na, zumindest bemühen sie sich. Ist ja auch schon mal was.
Ganz anders hingegen die Vertreter der direkt Beteiligten am Chaos und den tödlichen Folgen ihres Vorhabens, aus der grauen Maus Duisburg eine schillernde Partymetropole für junge Leute zu machen. Zumindest einmal im Jahr. Einmal in 2010. Die drei Beteiligten, die Stadt Duisburg, der Veranstalter Lovapent und die Polizei in Gestalt des Innenministeriums, haben alle unabhängig voneinander keine Kosten und Mühen gescheut, den Vorfall vorurteilsfrei aufzuarbeiten und nach den Fehlern und somit Schuldigen zu forschen. Und was niemand für möglich gehalten hätte: Eigentlich ist niemand schuld!
Die Stadt Duisburg sieht keine Verfehlungen bei sich sondern hat den Veranstalter aus Grundübel ausgemacht. Der Veranstalter sieht dies natürlich ganz anders, hier hat die Polizei den Schwarzen Peter. Und das Innenministerium sieht die Polizei als einzigen Beteiligten, der zumindest dafür gesorgt hat, dass es nicht noch schlimmer wurde. Ach ja, der Kreis schließt sich zudem, denn das Innenministerium sieht den Schuldigen bei der Stadt Duisburg als Verantwortlichen für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.
Mit anderen Worten. Die vorurteilsfreie Aufarbeitung der Beteiligten und der Politiker, die wieder einmal eine brutalstmögliche und schonungslose Aufklärung versprochen haben, kommt zum Schluss, dass eigentlich niemand schuld ist. Denn die einseitigen Schuldzuweisungen der unabhängig voneinander verfassten Gutachten heben sich gegenseitig auf, komischerweise immer zugunsten des Auftraggebers des Gutachtens.
Na wer ist denn nun der Schuldige? Vielleicht am Ende sogar die Opfer selbst?
Was klar sein dürfte, so kann man es zumindest erfahrungsgemäß vermuten, ist, das am Ende dieser an Lächerlichkeit kaum zu überbietenden Aufklärungsarbeit keine juristischen Folgen zu erwarten sind. Man wird sich darauf einigen, dass die Schuld „irgendwo in der Mitte“ aller Beteiligten zu finden sein wird. Irgendwie haben alle doch nur das Gute gewollt und dabei vielleicht in Ansätzen – aber nur homöopathischer Natur – ihrer Sorgfaltspflicht nicht genüge getan. Kann ja mal passieren. „Wir sind ja auch nur Menschen!“ möchte man fast aus ihren zur medialen Schau in Sorgenfalten getragenen Gesichtern entnehmen. Und man will derartigen Dackelblicken natürlich nachgeben und zustimmend rufen: „Recht haben sie, Menschen sind sie!“ – aber der ein oder andere Zuhörer wird den inneren Zusatz „aber was für welche?“ nachschieben.
Es sind Menschen, möchte man erklärend anfügen, die klare Warnungen im Vorfeld im Bezug auf massive Probleme in der Organisation und am Sicherheitskonzept in den Wind geschlagen haben, um sich den warmen Hauch der wohlwollenden Blicke und die Zuneigung tausender junger Menschen und dem damit verbundenen Imagegewinn um die Nase wehen zu lassen. Nun weht ihnen ein Leichengeruch entgegen und sie waren die Ersten, die nach Tüchern verlangt haben. Tücher für ihre eigenen Nasen, um damit den Geruch der Realität nicht wahrnehmen zu müssen. Oder eben nur gemindert. Selbsttäuschung auf hohem Niveau.
Wäre dies ein Bühnenstück würde man die Schauspieler für ihre tadellose schauspielerische Leistung bejubeln und den Drehbuchautor und den Regisseur für den Plot und die Geschichte ausbuhen.
Und man täte dies zurecht. In der Realität aber ist das Publikum bereits weitergezogen, ins nächste Theater. Dort bejubelt man derzeit andere Protagonisten aktuellerer Bühnenstoffe.
„Die schonungslose Aufklärung“ – ein Titel wie aus einer griechischen Tragödie – wird wohl demnächst still und unbemerkt vom Spielplan genommen. Die Schauspieler werden sich neuen Theaterprojekten widmen.
Zurück bleiben 21 tote Theaterbesucher, die diese Schmierenkomödie mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Ein Meisterstück war “Die schonungslose Aufklärung” wahrlich nicht. Sie hätte aber dennoch größere Aufmerksamkeit verdient. Wenn auch aus anderen Gründen.
31 08
Brutalstmögliches Nimmerwiedersehen!

Die ZEIT spendiert der Welt noch einen sehr sachlichen Rückblick auf die politischen und teilweise gesellschaftlichen Hinterlassenschaften des Herrn Roland Koch – Link verbirgt sich hinter dem Bild.
Als gebürtiger Hesse darf ich abschließend hinzufügen: Die Welt wäre schöner ohne dich!
30 08
Thilo hat Mundgeruch!
Ich kann es zwar nicht beweisen und ich kann leider auch keine stichhaltige wissenschaftlich anerkannte Abhandlung bieten oder gar zitieren, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass man sich als Gesprächspartner von Thilo Sarrazin angewidert und angeekelt zurückziehen möchte, insofern man einmal in seinen Dunstkreis gelangen sollte.
Daher habe ich mir das Beispiel Thilo Sarrazins zu Herzen genommen und habe mir meine eigene Statistik basierend auf meiner Einschätzung und Hochrechnung gebastelt. In den letzten Tagen habe ich daher einen Feldversuch unternommen. Wenn man offenen Auges durch die innenstädtisch-shoppende Gesellschaft lustwandelt, so kommen einem diverse Gestalten mit ebensolchen Gesichtern unter, denen man anzusehen glaubt, dass sie Mundgeruch haben. Bisher blieb es allerdings bei der einfachen gedanklichen Einschätzung. Doch diesmal wollte ich den einmal eingeschlagenen Weg weitergehen, ich wollte sozusagen die „vierte Wand“ durchbrechen.
Daher habe ich versucht zu jenen Menschen Kontakt aufzunehmen, um meiner Einschätzung real existierende, weil geruchsbedingt sehr einfach wahrnehmbare Beweisstücke zugrunde zu legen. Und was soll ich sagen. Ich habe recht bzw. die Theorie stimmt. Man kann es Menschen ansehen, ob sie Mundgeruch haben oder nicht. Und noch eine Erkenntnis: Die Mundfäulnis in deutschen Mündern nimmt zu.
Waren es am Montag nur 34% der kontaktierten Personen, die meinen sensiblen Geruchssinn mit ihrem Mundgeruch kränkten, waren es am Dienstag schon 38%. Am Donnerstag gar 41%! Der Trend ist klar und statistisch belegt: Das deutsche Volk wird ekliger. Da kann man die Daten drehen wie man will, die Sache stinkt zum Himmel!
Aber warum schreibt kein angesehener Populist bzw. Publizist eine viel zitierte und wohlwollend kommentierte Abhandlung über die Zunahme von Mundgeruch in der Deutschen Bevölkerung? Die Medien würden sich bestimmt um jene Story reißen und Vorabveröffentlichungen auf ihren Seiten zulassen, damit eine Diskussion in der Deutschen Bevölkerung starten kann. Eine Diskussion, die dringend notwendig ist!
Denn wenn wir so weiter machen, dann sind wir nicht erst in absehbarer Zeit ein Volk voller Stinker! Die Anwendung von Mundsprays kann hier nur als kurzzeitiges Placebo verstanden werden. Das Grundübel muss angepackt werden! Sonst ist es bald aus mit der wohlriechenden Deutschen Bevölkerung.
Schad drum wäre es ja schon.
Euer Tobias
Anmerkung
Folgende Personen haben meines Erachtens ebenfalls Mundgeruch (kleiner Auszug): Roland Koch, Johannes B. Kerner, Henryk M. Broder, Ronald Pofalla und Horst Seehofer.
29 08
Daumen hoch!

27 08
Happy and You Know it
Alles einfach!
So.
Wie man unschwer erkennen kann, habe ich eben angefangen, den Blog aufzuräumen. Es wird alles einfacher, rudimentärer und dadurch übersichtlicher. Vielleicht sogar besser. Auf Schnickschnack wird ab sofort nahezu gänzlich verzichtet.
Natürlich werde ich in den nächsten Tagen hier noch einige Anpassungen durchführen, aber die Grundausrichtung bleibt einfach.
Weil alles einfach einfach sein sollte!
23 08
Das politische Waterloo der Frau Merkel?
Wenn Frau Merkel in einigen Jahren an ihren Memoiren schreiben wird, um ihre Sicht auf die politischen Entscheidungen ihrer Amtszeiten auch dem letzten Zweifler an ihrem taktischen und politischen Geschick kundzutun, wird sie einen besonderen Augenschein auf die Zeit im Sommer 2010 werfen müssen. Vielleicht wird sie es Napoleon gleich tun, der nach der Schlacht bei Waterloo und seiner endgültigen militärischen Niederlage die Schuld bei seinen Generälen und Führungsoffizieren sah. Die einen wären nicht gekommen wie befohlen und die anderen hätten ohne taktischen Plan oder Geschick das Schlachtfeld betreten, um wild um sich zu schlagen, was letztendlich zur Niederlage der gesamten französischen Armee beigetragen hätte.
Herunter gebrochen auf die heutige Situation ergeben sich zumindest potentielle Parallelen. Wobei sich den einzelnen Vorwürfen mehrere Gesichter zuordnen ließen. Hätten wir bei der Personifizierung des wild um sich schlagenden, ohne ein politisches Konzept habenden strategielosen Reiters zwei Besetzungen erster Güte, so wird es auf der Besetzungscouch für die Rolle des dem Befehl zu erscheinen sich widersetzendem Verweigerers recht gemütlich und kuschelig. Wahrscheinlich müsste man sogar eine zweite Couch herbei holen, um den Massen an Anwärtern artgerecht einen Sitzplatz zuzuweisen.
Ein kleiner Blick in die Zukunft des heiß umkämpften Buchmarkt der Memoiren.
Die Rolle des strategielosen Reiters seiner eigenen egoistischen Pläne dürfte mit dem CSU Vorsitzenden Seehofer oder dem FDP Vorsitzenden und Bundesaußenministers Westerwelle bestens besetzt werden. Wahrscheinlich wird sich Frau Merkel sogar für beide entscheiden, indem sie beide auf das gleiche Pferd setzt – Rücken an Rücken – und sich beide daraufhin wundern, dass es nicht vorwärts geht. Was sogar eine schöne Bildsprache hätte, die die heutige Situation genüsslich und bewundernswert adäquat widerspiegeln täte. Was der Eine mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen will, reißt der Andere mit seinem Arsch wieder ein.
Die Rollenverteilung der zweiten Hauptrolle im Bezug auf das merkelsche Systemwaterloo ist dahingehend schwieriger zu bewerten. Denn das Anforderungsprofil dieser Rolle ist so breit gefächert, als dass es eher zu viele potentielle Schauspieler gebe als zu wenige. Zuvorderst wäre hier einmal der langanhaltende und stabile wirtschaftliche Aufschwung zu benennen, der trotz mehrfacher Aufforderung noch in der Künstlerkabine auf sich warten lässt. Als nächstes müssten Protagonisten der kapitalistischen Finanzmarktwirtschaft genannt werden, die nach der Errettung durch die Bundesregierung in Form von Steuergeldern, die still schweigend angenommene Dankbarkeit gegenüber dem Deutschen Volk im Allgemeinen und der Bundesregierung im Besonderen vermissen lassen. Nein, noch schlimmer, sie verlangen sogar noch nach einem Mehr an politischer Zuneigung. Diesen Schauspielern gleich tun es die Vertreter der Energiewirtschaft. Auch sie sollten nach dem Gutdünken Merkels eher in der Rolle des dankbaren und bereitwilligen Dieners und Befürworters neuer geistiger Höhenflüge der Regierung Merkels beharren als sich zu neuen eigenen Höhenflügen an impertinenten Forderungen aufschwingen.
Viel schlimmer noch. Anno 2010, im Sommer, verbündete sich sogar jene Energiewirtschaft mit anderen Drahtziehern und bekannten Gesichtern aus der Welt der Prominenz, um der merkelschen Regierung via einer großangelegten Medienkampagne die Richtlinien für die weitere Nutzung der Atomkraft zu diktieren. Wer die Werbung und die Medien beherrscht, der hat die Zügel über den Prozess der Meinungsbildung in Deutschland in der Hand. So die Idee der Energiewirtschaft. Gar nicht mal so daneben gedacht.
Und hier ist nun der schwarze Punkt auf der ansonsten grau melierten Weste der Angela Merkel. An dieser Stelle wäre der perfekte Punkt gewesen, um der Systempolitik der Angela Merkel a) eine Richtung zu geben und b) gewisse Sympathien in der Gesellschaft – auch der kritischen – einzuheimsen. War der Beginn der schwarz-gelben Regierung noch gekennzeichnet mit Taten, die nicht Wenige in die Reihen der Klientelpolitik einordnen und mit schwer der Allgemeinheit zu vermittelnden Prozessen, die aus der Sicht des 05/18 Bundesbürgers der alleinigen Anbiederung an die Hochfinanz dienten, so hätte Angela Merkel hier tatkräftig einschreiten können, um gleichsam ein starkes Zeichen zu setzen.
Ein Zeichen an die Wirtschaft, an die Herrschenden, an die Macher, an die Unternehmer und vor allem an die eigenen Parteisoldaten als auch ein Zeichen an die Deutsche Gesellschaft: „Mit uns nicht! Wir lassen uns nichts vorschreiben. Wir geben die Politik vor und nicht die Wirtschaft und ihre Wegelagerer.“
Das wäre ein starkes Zeichen gewesen. Man hätte aufgehorcht und sich insgeheim über die naive Herangehensweise der Energiewirtschaft lustig gemacht. Von da an hätte man davon gesprochen, dass ein Ruck durch die Deutsche Politik gegangen wäre und von da an die schwarz-gelbe Regierungskoalition dann doch noch einen gemeinsamen Drive bekommen hätte. Auch wenn die Wiederwahl zwar in die Hose gegangen ist – es sei nochmal an die beiden Reiter erinnert – so bliebe dann doch ein positives Kapitel Atomwirtschaft für die Memoiren übrig.
Aber, da die Bundesregierung dennoch unternehmerfreundlich auf diese Medienkampagne reagierte und angedachte weitere Belastungen der Energieunternehmen im Rahmen der Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke für nichtig erklärte, hat Frau Merkel nun arge Probleme ihrem Buch und speziell diesem Kapitel der schwelenden Unterstellung der Klientelpolitik und der durch die Wirtschaft gelenkte Politik den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Aber so wie Napoleon auf seiner einsamen Insel im Südatlantik gedankenverloren, der Realität entfliehend und seinem eigenem Ruhme dienend einem Buch mit leeren Seiten seine Memoiren diktierte, so wird auch Frau Merkel ihr Buch mit gewissen Anekdoten füttern, die einer kritischen Analyse kaum standhalten werden. Aber das dürfte einer Frau Merkel dann auch wieder gleichgültig erscheinen, denn auf ihrem bestimmt gut gefütterten Aufsichtsratssessel bei dem Energieunternehmen mit den großen Buchstaben und dem noch größeren Salär, lässt es sich trotz solcher infamen Unterstellungen und ohne schlechtes Gewissen aushalten. Nebenbei nutzt man noch seine während der Amtszeit erworbenen und geknüpften Netzwerke zum Wohle des neuen Arbeitgebers. Den alten Arbeitgeber, das Deutsche Volk, hat sie bereits vergessen und sich aus dem politischen Meinungsbildungsprozess schon längst verabschiedet.
Manche meinen, dieser Prozess hätte auch schon weit früher begonnen. Nicht erst nach ihrer Wahlniederlage im Jahre 2013 und ihrem Abschied aus der Politik.
Ja – der Sommer 2010 hätte einfach anders verlaufen sollen, dann hätte es wohl geklappt mit einem erfreulichen Ende der Memoiren der Frau Merkel. So wird man ihr Buch nur in ausgewählten Büchereien wiederfinden. Ganz hinten in der Ecke bei den Wälzern, die ebenfalls keine Kaufbereitschaft oder gar Interesse beim Kunden wecken. Aber was will man auch von Büchern erwarten, die die Konterfeis ihrer Autoren zur Schau tragen. Mit der Absicht einen Eye-Catcher zu kreieren um einen Standpunkt zu manifestieren, aktiviert das Deckblatt so unterbewusst die zu aktiven Zeiten des Beschriebenen gefühlte und erlebte Abscheu ihm gegenüber erneut und führt somit zum direkten Gegenteil des Gewollten.
Das Buch wird alsbald noch weiter in die hinteren Regale verband, wo es noch mehr Staub ansetzen wird. Eine gerechte Einordnung in die Geschichte der Literatur. Spiegelbildlich im Bezug auf die Anerkennung der wahren Leistung der Autorin.
Zurück in die Gegenwart: Dem ist nichts hinzuzufügen!
Euer Tobias
Das im Auszug benutzte Bild ist gemeinfrei, da die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Gemalt wurde das Bild von William Sadler (1782-1839).
20 08
Kein Ass im Ärmel!
Die seit Jahren steigenden Umsätze im Bereich Online Pokerwebseiten und Offline Pokerturnieren, flankiert durch entsprechende Angebote in den Sendungen von ProSieben bis DSF, zeigen eindeutig, der Deutsche hat wieder Spaß am Spiel mit Karten. Nur das er früher mit der ganzen Familie am Wohnzimmertisch saß und man gesellige Familienkartenspiele wie Mau-Mau oder Uno spielte. Heutzutage sitzt er zumeist am Bildschirm seines PCs und verfolgt als anonymer Teilnehmer einer oder gleich mehrerer Pokerpartien die steigenden Einsätze, spekuliert über die eigenen Siegchancen und stößt eins ums andere Mal ein kleines Gebet in den Himmel, dass die richtige Karte kommen möge, damit man auch mal einen kleinen Teil des Siegkuchens sein Eigen nennen kann.
In der Mehrheit der Gebete nützt dies natürlich nichts. Aber es geht zumeist ja auch nur um geringe Einsätze. Die paar verlorenen Cents tun einem ja nicht weh. Auch wenn man weiß, dass sich an Tischen von Anfängern auch Profis setzen, um den Anfängern die letzten Cents aus der Tasche zu ziehen, probiert man es Morgen wieder. Und Übermorgen. Und Überübermorgen. Denn mit jedem Tag mehr Erfahrung – so die eigene Rechnung – gewinnt man letztendlich dann doch die größeren Centbeträge. Poker ist ein Spiel für Analytiker, für Statistiker und kühle Rechner. Wer das Spiel nicht verstanden hat, wird verlieren.
An einem viel größeren Tisch sitzt nun eine ganz neue Pokerspielerin. Und hier geht es auch nicht mehr nur um Centbeträge sondern gleich um viele Millionen. Das gute für die neue Pokerspielerin dabei ist, dass sie trotz ihrer scheinbaren bis offensichtlichen Fehleinschätzung der eigenen Kompetenz gegenüber kein großes Risiko eingeht, denn sie setzt kein eigenes Geld ein, sondern das Geld Anderer. Sie hat demnach eigentlich nichts zu verlieren. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen setzt sie alles auf eine Karte! Manchmal hat man ja auch einfach Glück.
Die neue Pokerspielerin hört auf den Namen von der Leyen und ihre Lieblingskarte ist nicht die Herzdame sondern die Bildungskarte. Und mit am Tisch sitzen die großen Pokerspieler, die sich hinter dunklen Brillen und Cowboyhüten verstecken, wobei sie die Gesamtsituation dennoch ständig im Auge haben. Hinter diesen Spielern stehen die noch größeren und noch mächtigeren Drahtzieher der Finanzströme in Deutschland. Und sie gieren bereits auf die Millionen, die Frau von der Leyen bereit ist, aufs Spiel zu setzen.
Hinter Frau von der Leyen steht eigentlich niemand, aber wenn doch, dann wären es die Millionen Empfänger von Entgeltersatzleistungen und vor allem deren Kinder. Denn ist sind eigentlich ihre Millionen, die Frau von der Leyen gedenkt, mit einer großen Handbewegung auf den Pokertisch zu schieben.
Jene Frau von der Leyen beabsichtigt durch ihren Kartentrick, den sie gemeinsam mit ihren engsten Vertrauten in einem verrauchten, also nicht öffentlichen Raum, ausgeheckt hat, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Leistungen im Bereich des SGB II umzusetzen. Dieses Urteil kann pauschal so wiedergegeben werden, dass die Teilhabe von Kindern von Empfängern von Entgeltersatzleistungen am gesellschaftlichen und bildungstechnischen Leben sicherzustellen sei und dass die Leistungen für diese Kinder, die im Rahmen der Entgeltersatzleistungen gewährt werden, eigenständig ermittelt und festgestellt werden sollen.
Oder noch kürzer: Die Leistungen für diese Kinder und die Bemühungen um deren Entwicklung sollten gesteigert werden. Basierend auf dem tatsächlichen Bedarf.
Die eine Seite erwartet nun höhere Ausgaben im Bereich der Arbeitsmarktpolitik und bemängelt und kritisiert deren Zustandekommen und die andere Seite freut sich über höhere Leistungen und erwartet die baldige Umsetzung des Verfassungsgerichtsurteils. Und alles blickt auf die zuständige Ministerin.
Nur Frau von der Leyen spielt hier ein offensichtliches doppeltes Spiel. Zum Einen nimmt sie im Namen der Empfänger von Entgeltersatzleistungen viele Millionen Euro in die Hand, um scheinbar deren Leistungen spürbar zu erhöhen. Andererseits befriedigt sie die andere Gruppe, indem sie eine Taktik verfolgt, die zu kaum größeren Ausgaben führen wird. Und als Zugabe werden diese Ausgaben als Gewinne bei den Gruppen landen, die sich heute am meisten darüber beschweren.
Wie das? Ganz einfach. Frau von der Leyen spekuliert auf die bisher größtenteils bereits eh schon vorhandene bzw. unterstellte Tatenlosigkeit der faktischen Empfänger der Zusatzleistungen, der Eltern. Das perfide daran: genau diese Tatenlosigkeit nutzt Frau von der Leyen auch insgeheim zur Begründung der erdachten Kartenspielerei.
Die Bildungskarte, so liest man es rauf und runter im Blätterwald, dient der Sicherstellung der Tatsache und dem eigentlichen Sinn der Zusatzausgaben, dass diese Ausgaben auch wirklich bei den Kindern ankommen. Denn den meisten Eltern kann man scheinbar nicht trauen, die pauschale Verurteilung lautet: Ein Mehr an Leistung führt zu einem Mehr an kinderfremden Konsum. Dem kann man bestimmt in Einzelfällen zustimmen, wobei man schon fragen müsste, ob es bei normal verdienenden Eltern und dem Umgang mit den Kindergeld anders läuft? Auch hier wird man Einzelfälle finden, bei denen klar erkennbar ist, dass das Kindergeld eben nicht dort ankommt, wie es der Name der Leistung verspricht.
Aber genau diese Einzelfallproblematik wird auf eine gesamte Gruppe als Begründung angeführt, dass man das Mehr an Leistung in Form einer Bildungskarte anbieten möchte. Eine clevere Rhetorik. Denn niemand kann guten Herzens für Geldverschwendung plädieren und die Augen darüber verschließen, dass es sehr wahrscheinlich zu dieser weiteren Zweckentfremdung kommen würde, täte man die Zusatzleistung einfach in Form von höheren Leistungen auszahlen. Ein Herz für Kinder muss eben auch zwangsläufig ein Herz für die Bildungskarte lauten, denn nur so kommt die Leistung auch bei den Kindern an. So die gedankliche Verknüpfung im Hause von der Leyen.
Kommt sie das denn aber auch? Würde die Bildungskarte zum nächsten Ersten ausgegeben, wäre die klare Antwort ein nein. Denn die Einführung dieser Bildungskarte führt zu einer Einführung einer riesen Bildungskarteninfrastruktur und -verwaltung. Beim Stichwort Verwaltung sei die Einführung eines Familienlotsen in den Jobcentern erwähnt und beim Thema Infrastruktur die Verteilung der passenden Software und der Kartenlesegeräte.
Jene Familienlotsen müssen geschult, jene Software programmiert und jene Kartenlesegeräte gebaut werden. Alle diese Maßnahmen kosten Geld und führen zu einem verminderten Volumen an Haushaltsmitteln, die eigentlich den Kindern zugutekommen sollten. Und diese Mittel landen dann genau bei jenen Gruppen und Unternehmen, die jetzt bereits hinter den Männern mit Sonnenbrillen und Cowboyhüten stehen und ihre Einsätze verfolgen.
Aber nicht nur jene Interessengruppen dürften davon etwas haben, auch die Kommunen und Städte, die jetzt am lautesten die Finanzierungsfrage ins Spiel bringen, werden dadurch über den Umweg der Bildungskarte von Bundessteuermitteln bzw. Beiträgen der Arbeitslosenversicherung profitieren.
Denn es scheint klar, dass die Kommunen und Städte für ihre Einrichtungen wie Museen, Tiergärten und Schwimmbäder gar nicht Drumherum kommen, jene Geräte zu beschaffen. Denn zum Einen dürften die Ausgaben für jene Geräte durch die Bundesregierung quer subventioniert werden und zum anderen kann sich der Staat in Form der Kommunen und der Städte nicht aus dieser „Bildungsoffensive“ und dem sogenannten Bildungspaket verabschieden. Sie werden aber nach den Einschätzungen und den Erfahrungen aus den bisherigen Kartenausgaben (in Stuttgart) überproportional davon profitieren.
Denn die Erfahrungen in Stuttgart zeigen, dass jenes Geld eher im Zoo ausgegeben wird als im Verein oder bei der Nachhilfe.
Demnach fließt das Geld von den Arbeitnehmern über die Beiträge und vom Steuerzahler über Steuern an den Haushalt des Ministeriums bzw. der BA und von dort auf die Bildungskarten und landet schließlich zurück im Staatssäckel. Wenn man einfach mal davon ausgeht – schlecht gerechnet – dass von den 100% der zusätzlichen Ausgaben im Bereich SGB II im Rahmen der Bildungskarte, ganze 80% bei Zoobesuchen, Besuchen von Museen und Schwimmbädern sowie anderer städtischer Einrichtungen ausgegeben werden, dann handelt es sich bereinigt nur noch um 20% Mehrausgaben für den Staat.
Dass es einen Unterschied zwischen Bundeshaushalt und dem Haushalt von Städten und Kommunen gibt, ist hierbei zweitrangig, denn schlussendlich ist dies als Gesamthaushalt der öffentlichen Hand zu verstehen. Fiskalisch gesehen, ist dies gar nicht mal grob zu kritisieren, dass hier das Prinzip „linke Tasche-rechte Tasche“ angewendet wird. Nur sollte man dies auch so benennen.
Den Kindern dürfte es ja auch egal sein, ob sie nun im Tiergarten den Elefanten zuschauen dürfen oder im öffentlichen Schwimmbad ihre Bahnen ziehen. Die Frage ist nur, tun sie dies dann auch?
Müsste man nicht aufgrund der bereits unterstellten Erfahrung davon ausgehen, dass sich jene Eltern auch mit Bildungskarte nicht viel mehr um die Teilhabe und die Entwicklung ihrer Kinder kümmern und sich beteiligen? Natürlich muss kein Elternteil beim Besuch des Tiergartens und des Schwimmbades anwesend sein, aber dies ist doch reine Augenwischerei. Wenn die Eltern nicht wollen, wird es wohl etwas schwieriger für die Kinder, Gebrauch vom Guthaben auf der Bildungskarte zu machen. In jungen Jahren sogar völlig unmöglich.
Rechnet man im Hause von der Leyen sogar mit jener Tatenlosigkeit der Eltern? Denn wenn die Guthaben nur ansatzweise verausgabt werden, wären die Mehrausgaben sogar noch geringer! Auch wenn der Anschein ein anderes Bild zeigt. Da laufen nämlich freudig strahlende Kinder mit ebensolchen Augen springend und lachend mit der Bildungskarte in der Hand zum Eingang des städtischen Schwimmbades.
Im Hintergrund, aber das wird man kaum sehen, freuen sich nicht nur die Eltern und die Kinder oder Frau von der Leyen, dass sie mal wieder Gutes für ihr Lieblingsthema Kinder tun konnte, nein, auch die Unternehmer und technischen Anbieter der Bildungskarteninfrastruktur freuen sich. Denn das Geld, welches sie im Rahmen der Umsetzung der Bildungskarteninfrastruktur erhalten werden, ist sicher. Egal, ob ein Kind im Schwimmbad liegt, im Tiergarten ein Eis isst oder bei der Nachhilfe über englische Vokalen schwitzt. Denn die monatlichen Gebühren für Software und Betreuung des Systems fließen vertragsgemäß und – das zeigt auch die Erfahrung – nicht zu knapp. Diese Gebühren fließen sogar, wenn gar kein Kind im Schwimmbad schwimmt oder im Turnverein einen Purzelbaum schlägt.
Und dieser Nebenausgabeeffekt ist das eigentlich zu kritisierende. Die Kosten dieser Bildungskarte werden den Nutzen um ein Vielfaches übersteigen. Egal wie man zur der Bildungskarte eigentlich steht. Wäre ja das erste Mal, wenn es nicht so käme. Und selbst wenn es nicht so käme, landen jene Millionen und Milliarden eben nicht bei denen, die nach dem Urteil des Verfassungsgerichtes besser gestellt werden sollen. Den Kindern.
Diese Millionen und Milliarden dürften den Anteil dessen, was durch eine direkte Zahlung den Kindern vielleicht verloren ginge, deutlich übersteigen. Und die „Auszahlungen“ der Leistung an die Kinder dürfte sich in Anlehnung an die begründungsschwangere Tatenlosigkeit der Eltern nochmals reduzieren.
Dies ist nicht im Sinne der Kinder und nicht im Sinne des Bundesverfassungsgerichtsurteils. Davon bin ich überzeugt.
Im Grunde wird sich an der bisherigen Situation der Kinder und der zu verbessernden Entwicklungsmöglichkeiten nicht viel ändern. Nach außen wird man schöne bunte Bildchen von strahlenden Kindern und einer noch strahlenderen Frau von der Leyen sehen, aber das Kind, welches dann immer noch zuhause alleine vorm Fernseher sitzt und sich dort die Elefanten in den Tiergartendokus ansieht, die sieht man nicht. Von weiteren und viel traurigeren Kinderschicksalen wollen wir mal gar nicht reden.
Wenn man es ernst nehmen würde, mit der Bekämpfung der Versorgungslücke von Bildung und Teilhabe am Gesellschaftsleben von Kindern, dann müsste man den großen Schritt wagen, sämtliche Leistungen für Kinder im Bereich von staatlichen Bildungsangeboten, darunter zähle ich auch und insbesondere Museen, Tiergärten, Schwimmbäder etc., kostenlos bis zu einem gewissen Alter anzubieten. Beispielsweise bis 18. Die Verrechnung liefe dann über die eh schon vorhandene Infrastruktur der Kommunen und Städte im Bezug auf die Länder und die wiederum bedienen sich der Verrechnung mit dem Bund. Diese Leistung müsste dann korrekterweise sämtlichen Kindern angeboten werden. Egal ob die Familie viel oder wenig Geld zur Verfügung hat.
Die Finanzierung erfolgt über die Steuererhebung sämtlicher produktiver und finanzwirksamer Arbeit und deren Einkünfte. Eine spezielle Steuererhöhung oder eine Reduzierung des Kindergeldes wäre zwar die Folge, aber dürfte dem Ertrag der erbrachten Leistung in Form der Entwicklung der Kinder angemessen sein.
Hierzu wäre allerdings eine gesellschaftlich übergreifende Akzeptanz der Notwendigkeit zwingend erforderlich. Man müsste vielleicht auf eigene Annehmlichkeiten verzichten, weil man zunächst einmal mehr Steuern zahlt, aber dies nicht auf Kosten der Kinder sondern zu deren Nutzen. Auf die Einsparungen bei den privaten Haushalten für ebensolche Ausgaben sei nur in diesem Satz verwiesen. Denn der Mensch neigt dazu, nur die vorgetreckten Ausgaben zu sehen, anstatt das große Ganze im Blick zu behalten.
So wie die professionellen Pokerspieler hinter ihren Brillen und Cowboyhüten. Jene Spieler haben den Gesamtüberblick und wissen, dass sie von der Bildungskarte nur profitieren werden. So oder so.
Ob die Kinder von der Bildungskarte wirklich profitieren werden, scheint ungewiss. Eigentlich kennt man jetzt schon die Antwort.
Aber das gehört zum großen Bluff der Frau von der Leyen. Leider ist der Adressat des Bluffs nicht der gegenübersitzende bebrillte Pokerspieler sondern es sind die Familien, die hoffend und bangend von draußen zuschauen und dem spannenden Spiel folgen, nichts ahnend, dass sie schon wieder verloren haben.
Aber man kann es morgen ja wieder versuchen. Und Übermorgen. Und Überübermorgen.
Es geht ja nur um Centbeträge…
Euer Tobias
Die benutzten Fotos stammen sämtlichst von der Seite pixelio.de. Das Bild im Auszug stammt von Siegfried Fries und wurde unter einer entsprechenden Lizenz veröffentlicht und zur weiteren Verwendung freigegeben. Das Bild des Royal Flash stammt von Alexander Klaus und wurde ebenfalls unter einer entsprechenden Lizenz veröffentlicht. Das Bild des Big Blinds stammt vom pixelio User cl und wurde ebenfalls bei pixelio unter einer entsprechenden Lizenz veröffentlicht.
09 08
aspikkern (21)
Notizen aus der Redaktion
Wer sich wundert, dass man hier seit Tagen nichts mehr Neues zu Gesicht bekommt, dem sei gesagt, dass dem so ist. Umzug, zeitlicher Stress im Bezug auf das Leben ansich und florierende Sommermüdigkeit in Großteilen der Redaktion führen momentan dazu, dass wir etwas kürzer treten.
Des Weiteren planen wir eine kleine Umorganisation der Webseite – im Bezug auf Rubriken etc. Kommt irgendwann. Bestimmt!
Sollte sich in der Zwischenzeit etwas ganz wichtiges ergeben, etwas, was uns nicht loslässt, dann verfassen wir natürlich einen entsprechenden Blogeintrag.
So – dann noch viel Spaß in der Sommersonnenzeit da draußen, wo auch immer ihr sein möget!
