22 01

Endlagerproblematik

Ich weiß nicht, wie Sie es mit der Mülltrennung halten. Wir Deutschen scheinen aber bei vielen Dingen, in denen wir früher Weltklasse und führend waren, ins Mittelfeld abzurutschen. Wenn überhaupt noch. Wenn es aber ein Gebiet gibt, in der der Deutsche gefühlsmäßig seit Jahrzehnten Weltspitze ist und jedes Jahr die Champions League ohne auch nur eine Anstrengung gewinnen würde, gäbe es einen solchen Wettbewerb, dann wäre es der Bereich der häuslichen Mülltrennung. Wir Deutschen haben für jede nur erdenkliche Art des Mülls eine gesonderte Tonne.

Getreu dem Motto: Was du an Müll produzierst, musst du auch entsorgen!

Klar wie Klößchenbrühe! Für einige Bundesbürger ist die Müllentsorgung bereits zum Hobby, wenn nicht sogar zur Passion geworden. Regelrecht beobachtet fühlt man sich, wenn man mit seinem Müll, den man vorher auf Plastik, Papier und auf unzählige weitere gefährliche Stoffe und Flüssigkeiten untersucht hat – gibt’s eigentlich schon Müllscanner und welche Haltung hat hier die CDU? – zum gemeinschaftlichen Müllunterstellplatz wandert, um denselbigen in einer Tonne seiner Endbestimmung zu übergeben.

Und sollte man dann doch einmal irgendetwas übersehen haben, dann klingelt nur wenige Minuten später der nette Nachbar von gegenüber an der Tür und hält einem seinen eigenen, stinkenden Abfall entgegen und beharrt darauf, dass man den Müllentsorgungsvorgang wiederholt -diesmal aber richtig!

So läuft das in einem “ordentlichen Haus”. Man passt auf sich auf und jeder macht seinen Müll selber weg.

Was im Kleinen funktioniert, sollte doch auch im Großen klappen. Oder etwa nicht? Wenn man sich die aktuelle Debatte um die Atompolitik und die Endlagerfrage anschaut, müsste man zur Gewissheit gelangen, dass dem nicht so ist. Hier machen die Energieunternehmen seit Jahren gute Geschäfte und lagern ihren Abfall in Zwischenlagern oder angedachten Endlagern. Leider hat man hier die Sache nicht ganz zu Ende gedacht. Spätestens jetzt muss natürlich ein Stichwort fallen: Asse!

Was in einem Skatspiel ganz wunderbar ist, ist für jeden Umweltpolitiker ein Riesenproblem, wenn es darum geht, die Frage der Übernahme der Endlagerkosten gesellschaftsgerecht lösen zu wollen.

Wenn man nun einen Teil der Gesellschaft früge, also beispielsweise die Energieunternehmen, dann sollten doch bitte die Steuerzahler (der Bund) die Kosten übernehmen. Wenn man die Politiker hört, die ja auch zur Gesellschaft gehören, dann hört man, dass man sich darüber gerade in Verhandlung befände und darüber debattiere, diese Kosten so gerecht wie möglich zu verteilen.

Wem man eher selten zuhört, ist der großen Mehrheit der Bevölkerung – dem zahlenden Energiekunden! Hier ist man nämlich der Meinung, dass man schon genügend Gebühren für seinen Strom und sein Gas bezahlt hat und die Endlagerkosten in diesen Gebühren bereits enthalten sind. Ansonsten hätten die Energieunternehmen fahrlässig gewirtschaftet – und das will sich natürlich kein Unternehmen ans Revers heften.

Egal. Es wird sehr wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass der Steuerzahler den Großteil der Kosten übernehmen muss. Wir werden unseren Energiemüll also ein zweites Mal bezahlen. Aus “Scheiße zweimal Gold machen” – auch so eine Kategorie, in der sich die Deutschen Unternehmen nicht im unterem Mittelfeld befinden sondern ganz oben mitspielen.

Hier macht also nicht derjenige seinen Mist weg, der dafür bereits bezahlt wurde und der ihn auch produziert hat, sondern derjenige, der seine Wohnungstür ahnungslos öffnet und überrascht ist, seinen Energielieferanten vor seiner Tür begrüßen zu dürfen, der einem dann auch noch zu allem Überfluss den firmeneigenen strahlenden Abfall vor die Nase hält und um fachgerechte Entsorgung bittet!

Das System des politischen Deutschlands funktioniert im Großen – aber bei uns im Kleinen kann man sich nur noch die Haare raufen und staunend den Kopf schütteln. Die ausgerupften Haare dann aber bitte sachgerecht entsorgen. Haare gehören nicht in den gelben Sack!

Eigentlich wollte ich ja einen Blogeintrag zu den aktuellen Ideen eines Roland Kochs bezüglich des Arbeitsmarktes schreiben, aber wie komme ich jetzt nur von “was machen wir mit dem Müll anderer Leute” auf die Aussagen von Roland Koch?

Muss ich mal ins Umweltbuch schauen. Kapitel über ätzende Stoffe und widerliche Gerüche. Vielleicht werde ich dort ja fündig.

Schönes Wochenende!

Euer Tobias

Das im Auszug abgebildete Foto des flickR users florian_aut wurde unter einer CC Lizenz zur weiteren Veröffentlichung freigegeben.

Tobias Unter: Immer wieder Freitags // // Tags: // 0 Kommentare



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