28 04

Griechenland ist gerettet!

Wenn man so in den letzten Tagen die nationale Presse verfolgt hat, dann musste einem Angst und Bange werden. Nicht unbedingt um Griechenland oder um das griechische Lieblingsrestaurant von “umme Ecke”, nein, Angst um die eigene Zukunft im Hinblick auf die horrenden Kosten und Kredite, die der Deutsche Steuerzahler ganz alleine aufzubringen von allen europäischen Seiten genötigt wird. Der griechische Bürger reibt sich die Hände und mit ihm all die anderen Finanzsünder dieser EU. Kein Thema bzw. kein Themenbereich, der in den letzten Tagen nicht zu genüge diskutiert und analysiert wurde. Und das Ergebnis war immer dasselbe: Unsere Welt wird nach einer Pleite Griechenlands nicht mehr so aussehen, wie heute. Man wisse nur noch nicht, wie! Davor kann man schonmal Angst haben.

Man überlegte schon, wie man seine finanziellen Schäfchen ins Trockene befördern könnte – Gold hat ja derzeit nicht den besten Ruf – so dass hier guter Rat teuer sein dürfte. Doch seit heute kann man alle worst case Szenarien über Bord schmeißen. Griechenland und die anderen Eurosünder werden sich erholen und all seine Schulden, erst recht die an Deutschland, fristgemäß zurückzahlen.

Woher ich diese Exklusivnachricht habe? Überall in den Medien wird vom Debakel Griechenlands gefachsimpelt und vom Untergang des Eurolandes. Und da kommt so ein neunmal kluger Blog daher und behauptet das Gegenteil? Ja meine Freunde, ich habe unumstößliche Beweise dafür, dass den Griechen auch in Zukunft das Olivenbrot schmecken wird.

In der heutigen Onlineausgabe des Spiegels wird im Artikel “Ökonomen geben Griechanland auf” u.a. Hans-Werner Sinn vom Wirtschaftsforschungsinstitut ifo zitiert. Er, also Sinn, glaube nicht, dass Griechenland die Schulden jemals zurückzahlen könne. Er führt weiter aus, dass die Griechen den harten aber notwendigen Sparkurs nicht werden halten können. Ein rigeroser Schuldenerlass sei unumgänglich. Von Umschuldung ist die Rede. Er sieht die Gefahr einer Kostenlawine, die direkt auf den Deutschen Steuerzahler zurast, wenn man einem Eurosünder entsprechende Kredite einräume. Dann kämen Länder wie Spanien und Italien ebenfalls aus ihren Finanzlöchern und würden die Hand aufhalten.

Wo ich hier den Trend zur Besserung sehe? Ganz klar im Experten selbst. Wenn Hans-Werner Sinn sich dermaßen auf eine Richtung festlegt, kann man eigentlich die andere Richtung als gegeben ansehen. ifo Wirtschaftsforschungsinstitut? Wer jetzt nicht sofort weiß, was jene Wirtschaftsforscher so alles erforschen, dem sei gesagt, dass das ifo Wirtschaftsforschungsinstitut den monatlichen ifo-Geschäftsklimaindex herausgibt. Der ifo-Geschäftsklimaindex fasst die Ergebnisse einer Umfrage bei Unternehmen zu einzelnen Geschäftsfeldnern zusammen. Ansich nichts großartig zu bemängelndes. Aber die Fragen beziehen sich zum Großteil auf die Zukunft. Und es kommt noch besser. Die Unternehmer werden gefragt, wie sie ihre eigene Zukunft einschätzen würden. Einschätzen! Nicht wissen! Und die Antwortmöglichkeiten reichen vom einfachen “gut” oder “schlecht” über “günstiger” und “ungünstiger” bis hin zu “zunehmend” oder “abnehmend”. Und aus diesen Antworten und den Vergleichen zu früheren Einschätzungen – nicht auf der Basis von gesicherten Erkenntnissen für jenen Zeiten – basteln die Forscher eine mathematische Zahl bzw. einen Index!

Also wenn das mal nicht gesichert ist, was da am Ende raus kommt, weiß ich auch nicht. Lustig auch, dass es Experten gibt, die darüber nachdenken und einzuschätzen versuchen vorherzusagen, was die befragten Unternehmer wohl antworten, wenn sie gefragt werden, was sie schätzen, wie die Zukunft aussehen könnte.

Und aus jenem Dunstkreis der forschenden Umfrageinstitute wird nun bekannt, dass Griechenland am Ende ist. Und der größte Glaskugelfan, Hans-Werner Sinn, ist sich da ganz sicher.

Allein das sagt mir, dass es Griechenland ganz wunderbar geht und wir nichts zu befürchten haben. Denn keines der ifo-Geschäftsklimaindexe sagte die Zukunft so voraus, wie sie dann Realität geworden ist. Aber das interessiert dann ja niemanden mehr.

Von daher kann man davon ausgehen. dass wir alle aus dieser Krise “gestärkt hervorgehen werden”. Ich denke, unsere eiserne Kanzlerin hätte es nicht besser formulieren können.

Die zum Dreieck stilisierten Hände bitte ich sich einfach vorzustellen.

Euer Lars

Update: Eine m.E. fast beispiellos gute und fundierte Zusammenfassung und Erläuterung zum Umgang der Medien und der politisch Verantwortlichen mit der Griechenlandproblematik von Albrecht Müller auf den NachDenkSeiten. Lesebefehl!

Das im Artikel verwandte Foto wurde vom flickr User fotohalde unter einer entsprechenden CC Lizenz veröffentlicht und unter den dort genannten Voraussetzung zur weiteren Verbreitung frei gegeben.

Lars Unter: Gedanken im Wartestand // // Tags: // 2 Kommentare



2 Antworten to “Griechenland ist gerettet!”

  1. ebook-blog sagt:
    28. April 2010 um 08:16

    So jetzt ist es raus. Griechenland ist faktisch pleite. Keiner will denen mehr Geld leihen. Warum sollen wir dann gutes Geld dem schlechten nachwerfen. 135 Milliarden brauchen die die nächsten 3 Jahre. Das ist ein Fass ohne Boden. Wir sollten da kein Geld reinstecken.

  2. Tobias sagt:
    28. April 2010 um 22:10

    Wenn es um die reine Effektivität des Fasses gehen würde, gäbe es viele Dinge, die wir in Deutschland ebenfalls nicht befüllen dürften, da auch jene Fässer nur deshalb nicht überlaufen, weil sie eben unten ein Loch haben.

    Und dabei will ich mal gar nicht auf die Sozialversicherungen anspielen. Einfaches Beispiel: Die Kommunen und die dortigen Einrichtungen. Da werden jährlich Millionen und bundesweit Milliarden Euro ausgegeben und dennoch macht eine Stadt wie Nürnberg jedes Jahr mehr Schulden, weil eben Einrichtungen wie Theater, Stadbäder und Museen eben nicht rentabel zu führen sind. Kultur ist nie rentabel. Kann es gar nicht sein, weill niemand bereit wäre, die tatsächlichen Kosten durch Eintrittspreise zu bezahlen. Deswegen haben wir hier ja auch Steuern.

    Und Länder sind da durchaus ähnlich. Mann kann ein Land m.E in der heutigen Zeit gar nicht mehr rentabel führen, da die Ausgaben zumeist höher sind, als die Einnahmen. Stichwort Alterspyramide. Und da hilft einem entweder ein sehr harter und unsympathischer Sparkurs oder eben Kredite. Und zumeist sind hier die Kredite am “günstigsten”. Insofern die Zinsen entsprechend “fair” sind. Und genau das ist hier das Problem. Die Ratingagenturen handeln im Auftrage der Banken, die dann wiederum die Zinsen erhöhen, wenn die Ratingagenturen die Ratings reduzieren, was wiederum zu höheren Zinsen führt. Usw und sf.

    Ein finanzieller Teufelskreis.

    Und wenn die Ratingagenturen den Bogen überspannen – wie die auf ihre Ratings kommen, wissen die wahrscheinlich nicht mal selbst – dann kann es nunmal passieren, dass aufgrund der Vorgaben eines Fonds etc. es gar nicht mehr erlaubt ist, jenen Ratingopfern Geld mehr zu leihen bzw. nur noch zu solchen Zinsen, die ein Geschäft von vorn herein unmöglich macht.

    Also nicht, weil jenes Land faktisch und praktisch pleite ist und seine Schulden nicht mehr zinstechnisch zu begleichen sondern weil eine Ratingagentur das Rating dermaßen nach unten “korrigiert” hat, dass es aus dem Portfolio fallen muss. Ist so ähnlich wie mit dem Sinn und seinen Glaskugeln. Da wird nicht auf Realität hin geratet sondern auf viele Einflüsse und Einschätzungen hin. Erst danach wird es für ein Land brenzelig. Weil der Finanzmarkt zu sehr und fast schon blind auf jene Ratings focussiert ist. Stichwort Finanzkrise.

    Und nur mal so. Die Deutschen bzw. die anderen europäischen Länder schenken den Griechen ja kein Geld sondern fungieren hier ja auch nur als Kreditgeber zu höheren Zinsen, als sie es selbst bei den Banken ausleihen müssen. Man könnte sogar von einer Win-Win Situation sprechen. Man erhält mehr Geld zurück, als man selber ausgeliehen hat. Was aber nur funktioniert, wenn der Finanzmarkt sich beruhigt und nicht den negativen Trend der Ratingagenturen und Spekulanten nachhängt. Von daher wäre es gar nicht so dumm, Griechenland für jene Zeit des Kredites faktisch vom Markt zu nehmen.

    Und zum Schluss was historisches. So von wegen Staatspleite und Schulden zurückzahlen und böses Griechenland und von Deutschland solle man lernen. Deutschland wurden nach dem 2.Weltkrieg der Großteil der Schulden erlassen und konnte nur so wirtschaftlich wieder Fuß fassen. Ohne diesen Zusammenschluss der Gläubiger wären wir vielleicht das Griechenland von heute. Das hat jetzt nichts mit der “Deutschen Schuld” zu tun sondern war rein realwirtschaftlich sinnvoll und notwendig. Denn nur ein wirtschaftlich und unabhängiges starkes Deutschland ist stabil.

    Und genau das trifft auch auf Griechenland zu.

    Nur mal drüber nachdenken was einem lieber ist. Ansich sinnvolle Kredite für ein anderes Land oder Instabilität mitten in Europa.

    Also ich habe mich hier klar entschieden, auch wenn ich natürlich schon finanzielle Bedenken habe.

Verfasse einen Kommentar