04 05
Gebührenfinanzierter Medienmüll
Ich möchte meine Gedanken zu obiger Überschrift mit ein paar poetisch-angehauchten Wortformulierungen beginnen. Wenn man so als Blogger oder auch nur als rein offline lebender Mensch mit einer gewissen Affinität zum schreiben – ob man dieser Übung gewachsen ist oder nicht spielt hier keine Rolle – vor einem leeren Blatt Papier oder einem leeren Blogartikel sitzt, dann beginnt alles mit dem ersten Satz. Dem ersten Gedanken. Wenn der sitzt, dann geht der Rest wie von selbst. Bei einem Blatt Papier hat man die Stille des Blattes und die große Leere, die darauf wartet, durch den Schreiberling gefüllt und bedacht zu werden. Nichts drängt einem, nichts ficht einem an, doch mal endlich den ersten Satz zu formulieren. Das Verfassen von Texten auf einem Blatt Papier hat noch etwas romantisches. Etwas schönes. Daher würde ich einen Liebesbrief auch immer nur auf einem Blatt Papier verfassen. Niemals ohne!
Anders verhält es sich bei der Benutzung von technischen Hilfsmitteln. Beispielsweise bei der Erarbeitung eines Blogartikels. Auch hier grüßt erstmal die große Leere des Raumes. Aber die Romantik der insich gekehrten Stille ist weit und breit nicht zu erfassen. Denn hier blinkt unaufhörlich der Cursor der als nächstes zu ertippenden Wahrheit, Klarheit, Dummheit oder auch nur Einfachheit und Albernheit – der Gedanken eines Bloggers eben. Dieses Blinken des Cursors, diese fast schon mahnende Erinnerung an den noch zu erfassenden Gedankenfetzen, sie drängt einen und läßt einem keine Ruhe. Aber man kann mit ihr auch anders umgehen. Sie benutzen beispielsweise. Beispielsweise so:
“Mit jedem Blinken des Cursors vor mir, verdoppelt sich die unglaubliche Dekadenz der Medien und die Verdummverkaufung und gezielte Meinungssteuerung der Konsumenten in der Causa Griechendland!”
Ich will gar nicht die unzähligen pseudowirtschaftlichen Artikel in den unzähligen schlechten Zeitungen zitieren. Jene Blätter, die auf Gedeih und Verderb dem Boulevard ausgeliefert sind, die auf jedes Furzen eines Dritt- oder gar Viertklassigen Möchtegernsternchen erfreut reagieren, als ginge es um die Entdeckung des einzig wahren Duftes, der Frauen wirklich betört und ein Leben lang glücklich macht.
Nein, viel schlimmer ist doch, dass auch einst seriöse Vertreter der Journalie – man könnt es meinen – eher größeren Wert auf die Zurschaustellung der griechischen Krise im Bezug auf populistische Einzelheiten legt, wie dem 12. und 13. Monatsgehalt, dem millionenschweren Umbau/Aufbau/Renovierung der griechischen Botschaft in Berlin oder den Orten der Bekanntgabe von Mitteilungen des griechischen Präsidenten an sein Volk, als auf die Aufklärung und Weitergabe von Informationen, die einem die Problematik objektiv und so weit es geht auch unvoreingenommen erkklärt, die Risiken aber auch die Chancen verdeutlicht und virtuos beschreibt.
Wenn man sich wirklich mit der Materie beschäftigen will, auch solche Konsumenten soll es ja geben, dann muss man schon lange suchen und die verschiedensten Zeitungen und Medieninhalteanbieter frequentieren, um ein allumfassendes Bild von der Lage Griechenlands und der Auswirkungen auf die Finanzlage Europas und der EU Staaten zu erhalten. Aber auch hier gibt es genügend “schwarze Schaafe”. Und das ist schade.
Nicht nur schade sondern zugleich auch ärgerlich ist, wenn man diesen medialen Mumpitz auch noch bezahlt. Ist man Abonnent einer Zeitung, kann man sie abbestellen, ist man Besucher einer Webseite einer Zeitung oder eines Mediendienstes, kann man diese verlassen. Den GEZ Gebühren kann man nur leidlich schwer entsagen und sich vor ihnen drücken.
Kommen Sie mir jetzt nicht mit “na dann melde doch deinen Fernseher ab und schau gar nicht mehr fern”. Dem möchte ich entgegnen, dass ich die guten Fernsehformate einfach nicht missen will. Punkt!
Aber ärgern kann man sich ja.
Und ich habe mich in den letzten Tagen des öfteren über die personifizierten Fernsehgestalten meiner GEZ Gebühren geärgert. Und damit meine ich nicht ausschließlich Anne Will (kann aber nicht) oder den nicht immer hart oder fairen Frank Plasberg. Auch die ansich kompetenten Fachjournalisten und Redakteure hatten in der Causa Griechenland nicht immer den rechten Blick auf die Sache. Allzu oft machten sie Fernsehen für den Konsumenten der oben erwähnten Blätter. Als würde für jenes Klientel nicht auf anderen Sendern entsprechendes Programm laufen. Die Auswanderersoups und dergleichen.
Aber die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten wollen wohl auch jenes Klientel einfangen. Schade, dass sie es nur beim einfangen belassen. Zum Umdenken animieren und für gesellschaftliche Themen neu begeistern wäre umso wichtiger!
Noch nicht richtig einzuschätzen vermag ich die einhergehende “Modernisierung” der entsprechenden Fernsehformate mit Anleihen aus dem Web 2.0 und die damit verbundene Einbindung von Konsumenten in eine vermeindliche Diskussion. Bestes Beispiel ist die Einspielung von youtube Filmchen bei Anne Will. Gehört seit einigen Monaten zum Standard. Hinterlässt bei mir aber immer noch einen zweiten Beigeschmack der durchaus notwendigen Vorauswahl. Es hat für mich eher den rostigen Anstrich einer Orientierung und noch nicht die endgültige Umsetzung einer adäquaten Informationsverbreitung. Diese Idee steht und fällt natürlich mit den Diskussionsteilnehmern solcher Fernsehformate.
Gänzlich ohne Diskussionsteilnehmer oder gesprächsleitenden Moderatoren kommen die Umfragen bei den Zeitungen aus. Aber sie spiegeln zumeist die einhellige Meinung des Anbieters solcher Umfragen wider. Bieten aber überhaupt keinen Mehrwert an Information. Der Weg zur Aufbereitung von Informationen in 100seitige aber uninformative Fotoklickstrecken ist da nicht weit.
Und der Anfang ist auch bei den Onlineauftritten der öffentlich rechtlichen gemacht. Natürlich.


Sind solche Werkzeuge des Mitmach-Webs notwendig? Haben sie einen Mehrwert für mich als Verbraucher, als Informationskonsument – als Beitragszahler? Verdeutlichen sie Probleme auf verständliche Weise oder weisen sie auf potentielle Lösungen hin? Oder anders gefragt: Erfüllt man so den gesetzlich definierten Auftrag zur Grundversorgung und der wirtschaftlichen sowie politischen Unabhängigkeit und den heeren Zielen der Landesrundfunkgesetze?
Ich kann es mir nur schwer vorstellen! Und ich ärgere mich darüber.
Sehr sogar!
Euer Tobias
