20 05

Kurzrückblick Bayernslam 2010

Damit diese Seite auch mal wieder einen neuen Artikel enthält, einen kleinen Rückblick zum 1.Bayernslam der bayerischen Slamgeschichte. Der fand nämlich am letzten Wochenende in Regensburg statt und die Franken waren durchaus erfolgreich. Man darf durchaus in Deutschland herum erzählen, dass die Franken die erfolgreichsten bayerischen Poeten beim Bayernslam stellte. Das geht doch runter wie Öl – oder liebe mitlesenden Franken? Nun gut. Ich hatte an beiden Tagen keine große Lust mein Notizbuch zu zücken, so dass ich aus der reinen Erinnerung einen Kurzrückblick verfasse. Muss auch mal wieder sein.

Am Freitag fand nebem den U20 Wettbewerb die beiden Vorrunden des Bayernslam statt. Alles in der Alten Mälzerei und alles tutti-kompletti ausverkauft. Zumindest war es schön voll und somit schön warm – um das poetische Herz wie auch drumherum.

In der ersten Vorrunde sah man folgende Poeten:

Christian Ritter (Bamberg) – Andivalent (Landshut) – Bumillo (Freising) – Clara Nielsen (Landsberg/Lech) – Lucas Fassnacht (Nürnberg) – Frau Wortwahl (Fürth) – Michael Jakob (Weißenburg) – Max Kehrbaum (Kaufbeuren) – Nils Rusche (Würzburg) – Carmen Wegge (Buchloe) – Ernst Froh (Rosenheim) – Martin Geier (Schwabach)

Den Anfang machte Susanne (Frau Wortwahl) und man sah ihre Nervosität von Weitem. Völlig unbegründet, wenn man doch weiß, welch fantastische Poetin hinter ihrem Pseudonym steckt und welch fantastischen und lyrischen Texte aus ihrem Munde entfleuchen – und dass auch noch mit einer Stimme, die ihresgleichen sucht. Inmitten ihres Textes über den One-Night Stand, der eigentlich gar kein One-Night Stand war aber umgangssprachlich wohl so genannt werden muss, inmitten dieses Textes an Susannes Lieblingsstelle hakte der Text. Sekunden wurden zu “Minuten” – Stille! Hatte ich so bei Susanne noch nie gesehen. Sie rettete sich natürlich und fand den Faden wieder, aber der Text war dadurch etwas unrunder geworden, als ursprünglich geplant. Ihr folgte der Starter für das Wortgefecht aus Nürnberg, Lucas Fassnacht, mit seiner Ode an den Tod, der umherläuft und Seelen in seinen Beutel steckt. Clara ließ wieder einmal kurz Batman gegen Harry Potter flattern, um dann doch darauf hinzu weisen, dass sie mit ihrem Freund lieber Harry Potter schaut als in einem teurem Luxuspool zu plantschen oder einen Film mit Brad Pitt zu drehen. Nils hatte einen für mich neuen Text parat, den er leider auch nicht ohne einen Anflug von “Heavy Metall” überstand. Aber sehr schöne Lyrik, die da aus seinem Munde zu vernehmen waren. Andivalent rappte ein wenig – nicht im übertriebenem Maße – und Carmen erzählte wieder einmal vom Schicksal eines Mannes, der seiner Liebe hinterherläuft und dabei vom Beil von Stefan Raab getroffen wird – aber letztendlich doch von seiner Auserwählten gesehen und gerettet wird. Über Max und Ernst Froh kann ich nichts berichten. Bumillo brachten einen wunderbaren Text über die Büstenhalter der jungen Damen, Christian seinen Text an die Deutsch-Französische Freundschaft, Martin seine Kiffererlebnisse und Michl einen für mich neuen Text, einen offenen Brief an seine Lehrer, in dem er anprangert, dass die Lehrer die Schüler gar nicht auf das reale Leben vorbereiten.

Weiter kamen Christian, Bumillo, Lucas, Andivalent und Michl.

In der zweiten Vorrunde sah man folgende Poeten:

Selmar Klein (Bayreuth) – Bybercap (Erlangen) – Lasse Samström (Ingolstadt) – Kaleb Erdmann (Gröbenzell) – Michael Friedrichs (Augsburg) – Ariane Hussy (Passau) – Franziska Holzheimer (Eichstätt) – Alex Burkhard (Lindau) – Moritz Kienemann (München Substanz) – Thomas Spitzer (Regensburg) – Heiner Lange (München Kiez) – Peter Landshuter (Ansbach)

Den Anfang machte hier Heiner. Lustigerweise hatte Heiner in der Auslosung zur ersten Runde Susanne auf Platz 1 gezogen – und Susanne Heiner in der Auslosung der zweiten Vorrunde ebenfalls auf Startplatz 1. Das ist doch mal ausgleichende Gerechtigkeit. Heiner erzählte von seinem Migrationshintergrund in der bayerischen Provinz. Lasse Samström schüttelte wieder sein Fußballspiel aus dem Ärmel während Bybercap eine weitere Episode aus seinen Erlebnissen als Lehrer unter die Leute brachte. Selmars Text ist mir nicht so wahrhaftig und in Erinnerung geblieben. Genauso geht es mir bei Kaleb, Michael, Peter und Ariane. Franziska hatte für mich einen der drei Toptexte der gesamten zweitägigen Veranstaltung parat. Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen! Und schon gar nicht, um einen selbst oder um eine Beziehung herum. Echt ein Knaller! Alex erzählte von seiner Beziehung zur Stadt München und seiner Sehnsucht an seine Heimat. Thomas Spitzer findet seine Oma mehr als cool und zählt auf, warum sie so cool ist und was sie noch so alles besser kann, als andere Omas oder Menschen. Moritz hat zwei Arten auszudrücken, was er seiner Angebeteten sagen würde, was er für sie empfindet. Eine ganz lange Version mit einer krassen und stimmigen Performance oder eben eine ganz kurze: Nichts!

Weiter kamen Selmar, Ariane, Moritz, Thomas und Lasse Samström.

Im dreistufigem Finale begann Lucas mit einem derart niveauvollem Text, dass er trotz Startplatz 1 im Finale die dritthöchste Wertung der ersten Runde erhielt. Sein Ausbruch aus der Normal-Lidl-tät war der richtige Starttext, denn das Publikum war gleich gut angefixt. Lasse schüttelte wieder einen Text, diesmal ging es um eine Nacht in einem Bordell, während draußen ein “Stirbelwurm” wütete. Andivalent gedachte an einen toten Freund, der an seiner Drogensucht zugrunde gegangen war. Michl nahm Abschied und Moritz performte einen weiteren Text aus seiner Postbeziehungskiste. Bumillo jammte anstatt zu jammern und Thomas setzte sich mit dem Film Avatar auseinander. Selmars Text ist mir wiederum nicht in Erinnerung geblieben, genauso wenig der Text von Ariane. Nur dass sie einen typischen Mädchentext machen wollte. Hat sie wohl auch. Und Christian brachte seinen Fernsehschnipseltext. Wie immer sehr überzeugend. Nach der ersten Runde war klar: Der Sieg kann nur über Christian entschieden werden.

Weiter ins Halbfinale des Finalabends kamen Bumillo, Christian, Moritz, Lucas und Selmar.

Dort berichtete Bumillo von seinen Gedanken an die Schreiber von Soups und vom blauen Grafensperma und feuchten (Golf)Löchern. Christian wachte einmal mehr bei der Tochter der Familie Wichtig auf – ohne sich auch nur annähernd an irgendetwas erinnern zu können – und Moritz formulierte wieder einen Beziehungstext. Wie immer mit mächtigem Körper und Stimmeneinsatz. Selmar schmiß seinen Zettel ins Publikum um ihn am Ende vorlesen zu lassen – ne quatsch, dass war in der ersten Finalrunde. Egal. Verstehen sie dies bitte als kleines Easter Egg zur ersten Finalrunde. Lucas Text war wieder sehr beeindruckend und wieder schaffte er es, seinen dritten Platz zu verteidigen.

Ins Finale zogen nämlich Lucas, Moritz und Christian.

Im Finale des Finales durften die Poeten ihre Texte aus der Vorrunde vom Freitag wiederholen. Was Moritz und Christian auch machten. Lucas hatte allerdings einen vierten Text dabei: Über Nazis, die kleine Kinder töten. Harter Tobak und zu hart für die Stunde und für das Publikum, auch wenn der Beifall groß ausfiel. Aber leider nicht die Wertung.

Es siegte verdient Christian Ritter vor Moritz Kienemann und eben Lucas Fassnacht.

Oder man könnte auch sagen, dass fränkische Sandwich hatte obsiegt. Ein Münchener flankiert von zwei Franken! Von 10 Vorrundenfinalisten waren vier von fränkischen Slamorten, von 5 Halbfinalisten sogar noch drei und im Finale eben von drei Startern zwei Poeten. Wenn das mal nicht erfolgreich ist, dann weiß ich es auch nicht.

Die nächsten bayerischen Meisterschaften könnten in Augsburg stattfinden. Aber es gibt hier noch keine spruchreife Entscheidung. Aber wir drücken Horst Thieme beide Daumen, dass der 2.Bayernslam in der schönen Stadt Augsburg stattfinden wird.

Ein großer Dank an die Organisatoren des 1.Bayernslams – Rayl Patzak und Ko Bylanzky – die einen rundum gelungenem Slam und erste bayerische Meisterschaft gezaubert haben.

Daumen hoch und Hut geschwengt!

Wohoo!

Euer Tobias

PS: Die Wortfindungsstörungen bitte ich zu entschuldigen – ich habe doch keine Zeit!

Tobias Unter: Poetry Slam // // Tags: , // 3 Kommentare



3 Antworten to “Kurzrückblick Bayernslam 2010”

  1. andivalent sagt:
    22. Mai 2010 um 09:25

    ey schöner artikel, vor allem wenn du das aus dem kopf ohne notizblock noch zusammengekriegt hast. ich mein ich war als slammer dabei und muss schon sehr rumgraben um den ganzen ablauf zu rekonstruieren.
    ich hoff es passt wenn ich 2vids von mir hier reinstell auf dass sich das mal jemand anschaut.

    http://www.youtube.com/watch?v=nMKOIKRhgcU
    http://www.youtube.com/watch?v=lnRoa70gFvU&feature=related

  2. Tobias sagt:
    24. Mai 2010 um 21:48

    Merci … wobei ich einige Texte ja schon kannte … beispielsweise Claras Text(e) oder auch den von Susanne (Frau Wortwahl). Und die in den Finalrunden von Christian konnte man beispielsweise auch schon in Düsseldorf beim SLAM 2009 bewundern – ähnlich verhält es sich bei Moritz.

    Ok – ich merke gerade, ich zertrümmere dein Bild über mich .. ;o)

    Aber schön, dass du den Weg auf diese Webseite gefunden hast.

    Grüß Heiner und Landshut ..

  3. Rückblick und Vorblick – die fränkische Qualität! /// wortgefecht sagt:
    26. Mai 2010 um 00:30

    [...] aber doch nochmal ein kleiner Rückblick. Denn die bereits angedeutete fränkische Erfolgssträhne hielt auch beim 1.Bayernslam, [...]

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