01 07

Der Mann, den sie Wulff nannten!

So wie der englische Aristokrat Lord John Morgan von den Sioux Indianern gefangengenommen und zunächst als niedriger Sklave und Haustier behandelt wurde und am Ende dennoch zu deren Häuptling aufstieg – im Film „Der Mann, den sie Pferd nannten“ – so wurde auch zunächst Christian Wulff von den Mitgliedern der Bundesversammlung in Stellvertretung der Merkelischen Bundesregierung abgestraft und wie ein streunender Hund dreimal durch den Bundestag gejagt. Gleichwohl mit einem ähnlich „versöhnlichen“ Ende zum Schluss.

Die Trapper Gabriel und Trittin erzählen zwar nun am heimatlichen Lagerfeuer die Mär vom cleveren Schachzug der Opposition und dem Sieg Gaucks als „Bundespräsident der Herzen“. Sie faseln von einem Sieg der Demokratie und feiern sich und ihre Genossen – inkl. der „Abweichler“ – als wahre Demokraten, die allein ihrem grundgesetzlichen Auftrage folgten. Allein der Glaube fehlt.

Zu offensichtlich waren die politischen Ränkespiele um den zukünftigen Bewohner des Schloss Bellevue. Und auch die Opposition war mittendrin statt nur dabei. Auch wenn sie nun freundlich die Friedenspfeife rauchend ihre Hände in Unschuld wäscht. Gleichwohl verkaufen die Grünen und die SPD das Votum der Abweichler zugunsten ihres Kandidaten als eigenen Erfolg und sonnen sich im eigenem Lichte, wohlwissend, dass allein die Unzufriedenheit der Unionswahlfrauen- und männer gegenüber ihrer eigenen Kanzlerin ausschlaggebend war. Und die Person Gauck war dahingehend gut gewählt. als dass man annehmen konnte, dass eine Wahl Gaucks in den ersten beiden Wahlgängen auch einem CDU Manne nicht schwer fallen würde, verkörpert Gauck doch die Ideale der Konservativen wie es Christian Wulff nicht schöner könnte.

Die Sichtbarmachung dieser Unzufriedenheit – das ist der einzige Erfolg, den sich die Grünen und die SPD wirklich ans Revers heften können – ist aus meiner Sicht aber ein Pyrrhussieg. Denn diese Sichtbarmachung der Unzufriedenheit innerhalb der Regierungskoalition hat so viel mit der Wahl des Bundespräsidenten zu tun wie der gezeigte Fußball der Italiener und Franzosen bei der WM in Südafrika mit modernem Fußball.

Und wie hatten sie alle – durch die Bank – das Verhalten des Amtsvorgängers Wulffs kritisiert. Man sprach von einer „Entwürdigung des Amtes des Bundespräsidenten“ und sparte nicht an Kritik an der Entscheidung von Horst Köhler. Und durch die Bank wollte man ein bundesweites Signal an die Gesellschaft senden, dass man jenes Amt eben nicht parteipolitisch für eigene, auf sich selbst bezogene Ideen ausnutzen wolle, da man die Würde und Hochachtung vor diesem höchsten Amt im Lande in jeder Faser ihres Körpers spüre.

Das Ergebnis kennen wir und wir müssen feststellen, dass die politischen Ränkespiele dem Amt des Bundespräsidenten zwar eine gewisse Aufmerksamkeit zu Teil werden haben lassen. Genutzt oder gar gestärkt daraus hervorgehen dürfte das Amt des Bundespräsidenten gleichwohl nicht.

Und die politische Landschaft Deutschlands schon mal gar nicht. Aber auch das werden die Parteien in naher Zukunft bemerken. Und man mag es kaum glauben, aber das Wahlverhalten der Linkspartei im dritten Wahlgang, aus politischen Gründen, den beiden Kontrahenten gegenüber – wir glauben das jetzt einfach mal – ist als einzig glaubhafte, ehrliche wie transparente politische Willensäußerung der Wahlfrauen- und männer des gestrigen Tages anzusehen. Denn wie einfach wäre es für die Linkspartei und ihre Wahlgesandten gewesen, darauf zu setzen, durch eine geschlossene Wahl Gaucks (vielleicht) einen eigenen Bundespräsidenten zu küren und somit ggf. der aktuellen Bundesregierung den „Todesstoß“ verpassen zu können – worauf Gabriel, Künast und Co vor allem vor dem dritten Wahlgang immer wieder verwiesen – und somit vorgezogene Bundestagswahlen zu provozieren. Das wäre dann aber eine reine bundespolitische Ausrichtung der Gedanken gewesen und kein Ausdruck der Entscheidung der Linkspartei bzw. seiner Wahlfrauen- und männer im Bezug auf die Wahl des Bundespräsidenten. Denn nur um diese Wahl ging es gestern. Scheinbar war die Linkspartei die einzige Partei der großen Fünf, die das gestern nicht nur in die Kameras posaunte sondern auch danach handelte.

Nun ist also Christian Wulff unser aller Häuptling. Von nun an gehört es zu ersten Bürgerpflicht ihn zu loben, zu preisen und sich über putzige Fotoreportagen in den einschlägigen Zeitungen dieses Landes zu freuen. Die Schweden haben Victoria und Daniel, die die Massen begeistern und wir haben nun Christian und Bettina. Die Bettina im Übrigen, die in den Zeitungen dieses Landes zumeist mit dem Zusatz „die mit dem Tattoo auf der Schulter“ bedacht wird. Hatten wir auch noch nicht. Vielleicht noch vergleichbar mit Loki Schmidt, die, sofern es damals schon eine derart „kreative“ aber inhaltlich wenig überzeugende Presselandschaft gegeben hätte, wohl mit dem Zusatz „die mit der Zigarette in der Hand“ bedacht worden wäre. Aber zum Einen war die Presselandschaft – gefühlsmäßig – noch etwas zurückhaltender den staatlichen Würdenträgern gegenüber und zum anderen handelt(e) es sich hierbei nicht um ein Alleinstellungsmerkmal in der präsidialen Eheverbindung von damals.

Was kann man also vom neuen Manne in Schloss Bellevue erwarten? Meines Erachtens wird er als „jüngster Bundespräsident“ in die Annalen eingehen, der immer schön brav und sympathisch in die Kameras gelächelt hat und der es gut verstand, sich medienwirksam als „junger Vater der Nation“ darzustellen. Er wird nicht als „Regulativ“ der Tagespolitik in die Geschichte eingehen, man wird sich an keine Einmischungen von oben erinnern können – er wird die Tagespolitik bestenfalls begleiten aber nicht kommentieren oder gar moderieren.

Seine Zeit als Bundespräsident will er nutzen, um Brücken zwischen den Menschen aufzubauen. Toller Satz. Und so schön druckfertig für die bunten Blätter der Gazetten.

Man darf nur hoffen, dass er dabei nicht vergisst, dass man das Elend der Menschen, die unter der Brücke leben (müssen), dann nicht mehr sehen kann. Vielleicht … nicht mehr sehen muss!

Ein paar Lesetipps zur Wahl des Bundespräsidenten: Michael Spreng beschäftigt sich im SPRENGSATZ mit der Führungsschwäche der Kanzlerin, die er am gestrigen Wahlmarathon bzw. dem Wahlverhalten der Unionswahlfrauen- und männer fest macht. Roberto J. De Lapuente beschäftigt sich wie immer sehr geistreich mit diesem Thema, auch wenn es nach seiner Meinung nach eigentlich gar keinen Anlass dazu gibt, über derartige Scheinveranstaltungen zu berichten.

Und abschließend hofft Chris von F!XMBR, dass die erste Amtshandlung von Christian Wulff die Auflösung des Bundestages sein wird.

Schauen wir mal!

Euer Tobias

Das im Auszug und als erstes im Artikel verwandte Bild stammt von Birgit Winter und wurde auf der Seite pixelio.de unter einer entsprechenden Nutzungsbedingung veröffentlicht. Das zweite Bild stammt von Hartmut910 und wurde ebenfalls bei pixelio.de veröffentlicht und unterliegt den dort genannten Nutzungsbedingungen.

Tobias Unter: Zeit(en)geschehen // // Tags: , , , // 0 Kommentare



Verfasse einen Kommentar