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13 03
Filmjahr 2009 – die Tobithek (3)
Gestern waren Anja und Tobias in der neuesten Verfilmung eines Comic-Klassikers. Und wieder musste sich Tobias eingestehen, dass er in seiner Jugend viel zu viel TKKG und Fünf Freunde Bücher gelesen hat und viel zu wenig Comics…
Watchmen (Kino) Und wieder wurde ein erfolgreicher Comic in einen Film gepackt und umgesetzt. Nur diesmal ist die Geschichte des Comics dermaßen komplex, dass es wahrscheinlich zwei/drei Filme gebraucht hätte, die gesamte Geschichte in einem, die ganze Zeit über unterhaltsamen Film umzusetzen. Der Film ist mit fast drei Stunden gefühlsmäßig mindestens eine Stunde zu lang.
Immer wieder kommt durch das Sript Spannung auf, um im nächsten Moment wieder vollkommen abzustürzen – was meist gleichbedeutend mit dem Erscheinen von Dr.Manhattan in Verbindung gebracht werden könnte. Immer wenn “Papa Schlumpf” die Szenerie betritt, verliert der Film an Geschwindigkeit. Und was bitte schön sollen die Szenen auf dem Mars und sein dortiges uhrähnliche Gebilde? Und wieso läuft er die ganze Zeit über nackt herum, aber im Vietnamkrieg – er ist hier übermenschlich groß – trägt er einen Lendenschurz?
Das vollkommene Gegenstück und der eigentliche “Held” (er bzw. seine Sicht der Dinge “gewinnt” am Ende doch) des Films und die Figur, die den Plott fast die gesamte Zeit über trägt, ist Jackie Earle Haley als Rorschach. Was für ein Typ? Wahnsinn. Dieser Charakter ist mal mehr als cineast. Krasse und lustige Sprüche wechseln sich mit totaler Brutatlität ab. Der Höhepunkt des Films ist ganz sicher die (leider viel zu kurze) Sequenz im Gefängnis. Dialoge, die diese Bezeichnung verdienen und äußerste Brutalität kommen in einer Geschwindigkeit daher, dass diese vielleicht 10-12 Minuten im Film vorbeigehen wie im Fluge und einem vorkommen wie 120 Sekunden. Und wer mit dem (realen) Namen Rorschach etwas anzufangen weiß, versteht auch die sich ständig wechselnden Muster auf seiner “sockenähnlichen” Maske bzw. muss über den Rorschachtest im Gefängnis noch mehr grinsen.*
Seine Tagebucheinträge, der er für den Kinozuschauer verbalisiert und monologisiert, erinnern in der Art und Weise der Aussprache und der Gedanken stark an Sin City und Marv (Mickey Rourke). Aber es passt zu Rorschach.
Nichtsdestotrotz hat der Film einige Schwachpunkte (Gesamtlänge, langsame und langweilige Szenen über Minuten) und ist wohl auch nur an die echten Comicfans gerichtet – für zartbeseitete Grazien ist der Film zu brutal. Wenn man die Comics gar nicht kennt, verliert man nach und nach den Überblick über all die alten Helden, da die meisten auch nur kurz im Vorspann “vorgestellt” werden, aber hin und wieder mal “zitiert” werden.
Der Vorspann bzw. die Einleitung (Namen der Schauspieler, Filmname usw.) und Vorstellung der ersten Superhelden-Generation ist wohl dagegen ein Meisterstück an ersten Minuten eines Films. Sehr gut gemacht wie die alten Helden bei der Verbrecherjagt gezeigt und fotografiert werden – man musste damals schön still halten, wenn man fotografiert wurde. Teilweise skurile Szenen zwischendurch. Schön auch die vorbeiziehenden Jahre, die anhand der “Prominenten” dargestellt werden – u.a. die Village People – großartig.
Dann ein Wort zur musikalischen Untermalung der Handlung. Wenn Sie immer schon mal einen Hollywoodfilm mit Nenas “99 Luftballons” sehen wollten, gehen sie rein. Die urkomischste Szene ist aber, als zwei Superhelden (wir wollen ja noch nicht verraten wer) Sex in ihrem Eulenfluggerät haben und dabei Leonard Cohens “Halleluja” läuft. Die Hälfte des Kinosaals konnte sich ein Grinsen und Lachen nicht verkneifen.
Den Soundtrack sollte man sich echt zulegen. Aber auch der Film gehört wohl in jede Sammlung eines Comicfreaks und echten Cineasten. Wer sich zu jener Gattung nicht zählt, sollte vielleicht auf die DVD warten.
Zumindest ist “Watchmen – Die Wächter” ein Film, über den man stundenlang quatschen und diskutieren könnte.**
Euer Lars
* Für die Tänzer unter den Lesern: Das wäre ungefähr so, als würde man Horst Beer beim performen einer Lankenau beobachten. Für die Nichttänzer: Horst Beer benannte diese von ihm erfundene Figur nach seiner damaligen Tanzpartnerin und jetzigen Ehefrau.
** warum wird die Nase von Nixon von mal zu mal länger – Pinocchioeffekt?
Das im Auszug abgebildete Foto vom flickR user “jeezny” wurde unter einer CC Lizenz veröffentlicht und zur weiteren Verbreitung unter den dort genannten Voraussetzungen freigegeben.
